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Local.ImcDeBWT200101r1.4 - 10 Mar 2005 - 07:09 - AlsteRtopic end
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Protokoll vom Gründungstreffen am 20.- 21. Januar 2001 in Hamburg

Intro

Liebe Leute auf der Liste, dies ist der Versuch die Diskussionen rund um den Aufbau eines deutschsprachigen IMC wie sie am Gründungs- wochenende gelaufen sind ein wenig zusammenzufassen und einigermaßen übersichtlich wiederzugeben.

Aufgrund der Vielfalt der unterschiedlichen Inhalte wird es uns wohl nicht gelingen alle, teilweise gegensätzlichen, Positionen dazu komplett wiederzugeben. Deshalb ist es wichtig, dass ihr, wenn ihr der Auffassung seit, dass wir etwas wesentliches vergessen haben, eure Ergänzungen oder Änderungsvorschläge einbringt.

Zu dem Treffen war bundesweit durch verschiedene Kanäle eingeladen worden. Angesprochen waren Initiativen und Aktivisten, aus unterschiedlichen Zusammenhängen, die das gemeinsame Interesse für unabhängige Medienarbeit teilen. Ein Problem des Treffens war, dass hier Menschen aufeinander trafen, die zum Teil das erst mal von Indymedia gehört hatten, andere beschäftigen sich schon seit Monaten mit möglichen Grundsätzen und einem Selbstverständnis für Indymedia. So waren die Zugänge zum Thema teilweise recht unterschiedlich.

Zeitlicher und thematischer Ablauf des Treffens:

Freitagabend:

  • erstes Treffen der früh angereisten
  • Ideensammlung, Vorschläge zum möglichen Ablauf des Wochenendes

Samstag:

  • Vorstellungsrunde
  • kurzer Input zur zeitlichen und räumlichen Ausdehnung von Indymedia
  • Brainstorming: Was wollen wir mit Indymedia? Was ist für wen besonders Interessant ?
  • Herausarbeiten gegensätzlicher Meinungen und Kontrapunkten
  • Diskussion zur Moderationspolitik und zur Konstitution und Arbeitsweise möglicher Redaktionen und Arbeitsgruppen
  • Input Castor-Kampagne
  • Brainstorming: Welche Rolle könnte Indymedia im Anti- Castor- Widerstand einnehmen Wie wollen sich die einzelnen TeilnehmerInnen? einbringen? Was wollen wir da konkret machen ?

Sonntag:

  • Erneute kurze Vorstellungsrunde
  • kurze Zusammenfassung des Diskussionsstandes
  • Vorschläge für die Bildung von Diskussionsgruppen zu konkreten Sachthemen
  • Arbeit in den Diskussionsgruppen
  • Vorstellung der erarbeiteten Konzepte und Ideen der einzelnen Gruppen
  • Bildung von Arbeitsgruppen zur Vorbereitung der anstehenden Kampagne
  • Festlegen des weiteren Vorgehens

Freitagabend

Vor dem ersten Treffen am Freitagabend gab es auf der Mailingliste konkrete Vorschläge über mögliche Inhalte und den Ablauf des Treffens. Es wurde darüber gesprochen, wie das Wochenende möglichst produktiv ablaufen kann, und welche Fragen wir unbedingt klären müssen. Dabei ging es auch darum wie sich möglichst alle Teilnehmer-Innen in die Diskussion einbringen können und wie die Diskussion möglichst ergebnisoffen ablaufen kann.

Samstag

Bei der Vorstellungsrunde waren 36 Menschen anwesend, später kamen noch einige hinzu.

kurzer Input zur zeitlichen und räumlichen Ausdehnung von Indymedia

Kurz Einführung von Matt: Was ist eigentlich Indymedia?

  • Was macht Indymedia bisher? Fallbeispiele...
  • Wie arbeiten die anderen IMCs?
  • Stand der internationalen Diskussionen und Entwicklung.
  • Kontrapunkte der int. Diskussion:

Moderation:

  • open-posting <-> moderation / Zensur

Medienstaegie:

  • "Objektivität" <-> parteiische Berichterstattung

Zielgruppe:

  • Szene <-> breite Öffentlichkeit

Identitätskriese bei den IMCs:

  • Sind wir nur "Dienstleister" für Informationsaustausch oder eine politische Bewegung ?
  • Brainstorming: Was wollen wir mit Indymedia?
  • Was ist für wen besonders Interessant ?
  • Es gibt einige gut funktionierende linke Nachrichten-Websites und andere Medieninitiativen, in der BRD.
  • Wo liegt der Sinn eines überregionalen IMCs?
  • Welche Vorteile hätten lokale Ansätze?
  • Ist ein neues IMC überhaupt notwendig?
  • Parallelstrukturen sollen vermieden werden.
  • Die Vernetzung des bestehenden soll gestärkt werden.

Vorteile von Indymedia:

  • Strömungsübergreifend bezüglich Mitarbeit und Zielgruppe. Gerade weil Indymedia strömungsübergreifend berichtet und aufgrund seiner hierarchiefreien Konstitution kann Indymedia nie zum Sprachrohr einzelner politischer Gruppierungen werden.
  • Beteiligung ist sehr einfach möglich.
  • Im günstigsten Fall beginnt sich der Unterschied zwischen Medien-Produktion und Medien-Konsum aufzulösen.
  • Eine radikale Demokratisierung der Medienlandschaft könnte die Folge sein.

Idee: linke Inhalte in bürgerliche Medien tragen.

  • Aktuelle Berichterstattung und einfacher Zugang zu Informationen von und für Beteiligte (AktivistInnen) vor Ort.
  • Durch Indymedia bleiben Kontakte zwischen MedienaktivistInnen? auch nach und zwischen Kampagnen erhalten und müssen nicht jedes Mal neu aufgebaut werden.

Herausarbeiten gegensätzlicher Meinungen und Kontrapunkten

Ein Netzwerk bietet große Chancen für eine dauerhafte Zusammenarbeit birgt aber auch die Gefahr der Unverbindlichkeit: Persönliche, soziale Strukturen sind wichtig und müssen wachsen. Kritisiert wurde auch der Fetisch "Aktualität" und das "Eventhopping" zB der neuen Globalisierungsbewegung / fehlende gründliche Inhaltliche Auseinandersetzung.

Alle waren sich einig, dass die aktuelle Berichterstattung durch gut Analysen und Hintergrundberichte ergänzt werden muss. Ist polisch gefärbte / parteiische Berichterstattung gewünscht? Wer veröffentlicht da?

Frage nach dem Subjekt und nicht dessen Produkt. Den AktivistInnen die Stimme geben, auch wenn die Inhalte strittig sind? Wie soll mit hierarchisch und autoritär strukturierten Gruppen umgegangen werden, wenn sie Teil einer Bewegung sind?

Wichtiges Merkmal von Indymedia ist auch die Internationalität. Internationaler Informationsaustausch über grassroot-movements und politisch Bewegungen weltweit. Damit Indymedia wirklich zu einem globalen Netzwerk wird, muss aktiv an den Sprachbarrieren gearbeitet werden.Internationale Beiträge müssen ins deutsche, deutsche Artikel in andere Sprachen übersetzt werden. Für den unterschiedlichen Zugang und die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten zu Medientechnologien in verschiedenen Ländern muss Bewusstsein geschaffen werden. Gruppen mit geringen Zugangsmöglichkeiten sollen unterstützt werden, wenn sie es wollen.

Die meisten Kontrapunkte, die zur Zeit international Diskutiert werden (s.o.), fanden sich auch unter den Teilnehmern des Gründungswochenendes wieder.

Diskussion zur Moderationspolitik

...und zur Konstitution und Arbeitsweise möglicher Redaktionen und Arbeitsgruppen

Die zukünftige Moderations- / Redaktionspolitik wird für den Charakter eines deutschsprachigen IMCs sehr entscheidend sein. Kritisch ist nicht so sehr die Frage des konkreten "Zensur-modus", falls Zensur nötig wird.

Wichtiger ist die Frage, welche Macht zukünftige Moderations und Redaktionsgruppen haben werden, und wie sie konstituiert sein werden. Leider verlief die Diskussion hauptsächlich zwischen TeilnehmerInnen?, die sich schon länger mit den Fragen nach der Moderationspolitik beschäftigt haben, und Teilweise schon sehr konkrete Vorstellungen vertraten. Aus der Gruppe die sich in Berlin trifft, lag z.B. ein Entwurf zum Mission Statement und zur Moderationspolitik vor, der vor dem Treffen über die Mailingliste verteilt worden war. Für TeilnehmerInnen?, die die Kommunikation auf der Liste nicht aktiv verfolgt haben, wurde der Zugang erschwert. Die gesamte Diskussion zu diesem Thema lässt sich im Rahmen dieses Protokolls nicht wiedergeben.

Wir führen deshalb einzelne angesprochene Themen stichpunktartig auf:

Nur zum Verständnis: open-posting (OP): die Möglichkeit ohne vorherige redaktionelle Freigabe direktauf der Site publizieren zu können

Negative Erfahrungen mit OP sind:

  • Zu viel Datenschrott macht die Seiten schnell unübersichtlich.
  • Einzelne Gruppen können durch Zahl und Länge der Beiträge dominieren.
  • Meinung und Nachricht vermischen sich
  • Qualität und Wahrheitsgehalt können nicht garantiert werden.

Vorschlag: Wahrend einer Kampagne können Gruppen und AktivistInnen vor Ort autorisiert werden und direkt auf die Site posten. Der Rest der Beiträge erscheint erst nach Freigabe durch Redaktion.

Nachteil: Konzept ist elitär und geschlossen Welchen Sinn macht es erst von OP zu reden und dann nächträglich doch zu zensieren? Ist das nicht verlogen?

Vorteil von OP: Direkter, hierarchiefreier Zugang zur Site wirkt motivierend, bindet emotional mit ein und senkt die Hemmschwelle, selber mal was zu veröffentlichen.

Frage: Was für eine Politik wird da verfolgt? Ist das nicht ein zweifelhafter Demokratiegedanke? Ist nicht das Gefühl von Zensur beim nachträglichen Entfernen beim OP viel größer.

Weiterer Nachteil von OP: Gezielte Fehlinformation oder Gerüchte sind möglich und schwer als solche zu erkennen. Bei der Kombination von OP auf einer 2. Ebene (nicht auf der Hauptseite) incl. nachträglicher Zensur grundsatzwidriger Beiträge und deren Zuordnung zu bestimmten Schwerpunkten hat der/die LeserIn? die Wahl ob er die unsortierten Beiträge in der OP-Liste überhaupt sehen will. Es entstehen keine Hierarchien durch Zugehörigkeit zu einer autorisierten Gruppe.

Weitere Fragen: Wenn Indymedia Nachrichten verbreiten soll, wie geht eine Moderationsgruppe mit Beiträgen um die hauptsächlich Meinungen transportieren. Inwieweit kann Indymedia ein Diskussionsforum sein? Diskussionen könnten sich über die Kommentar-Funktion zu jedem Artikel entwickeln.

Folgendes war weitestgehend klar: Die Moderationsgruppen müssen transparent und demokratisch arbeiten und dürfen nie von einzelnen politischen Gruppen dominiert werden. Grundsätze der Moderationspolitik müssen noch genauer Formuliert und immer mit der größeren Indymedia-Gemeinde abgestimmt werden. Insbesondere über die Frage eines open-postings gab es sehr unterschiedliche Meinungen. Ein Konsens konnte nicht erreicht werden. Es wurde beschlossen, die Diskussion zunächst auf der Mailingliste weiterzuführen. Vorschlag: Die Polarisierung der unterschiedlichen Meinungen und Positionen sollte dabei helfen die Standpunkte klarer herauszuarbeiten und nicht zu Verhärtungen oder Spaltungen führen.

Castor-Kampagne

Input zur Castorkampagne (Zeitpunkte, Orte, Hintergründe...)

Es gab eine kurze Einführung in das Thema und einen Überblick über die geplanten Castortransporte, und die politischen Bedingungen und Hintergründe. Dann einen ebenso informativen Einblick in die Vorbereitungen und die derzeitige Situation des Wiederstandes. Hier noch mal vielen Dank an die gut Vorbereiteten Leute und Ihre tollen Beiträge. Wir denken, dass es keinen Sinn macht alle Details zum Castorwiederstand in dieses Protokoll aufzunehmen. Vielleicht wäre es möglich diese Informationen in einem kurzen 'Kampagnen-Info' zusammenzufassen, damit alle, die sich an der medialen Begleitung der Kampagne beteiligen wollen auf den gleichen Stand kommen.

Ideensammlung zum Thema:

  • Welche Aufgabe und welche Funktion kann indymedia im Castorwiderstand haben?
  • Was ist wichtig und worauf muss geachtet werden?
  • Was wollen die einzelnen und was wollen wir zusammen als indymedia genau machen?

Wichtige Fragestellungen waren:

  • Verhältnis von indymedia zur Kampagne, den einzelnen Gruppen und zu den Aktivistinnen?
  • Welche Präsenz hat indymedia vor Ort? Anlaufstellen auf den Camps und in der Region, Arbeitsplätze, Büro, SMS-Verteiler, Radio, Infotelefon.
  • Soll indymedia nur über die Kampagne berichten oder sie auch gezielt unterstützen? Wie könnte diese Unterstützung aussehen?
  • Welche Medien werden zum Veröffentlichen genutzt?
  • Welche Medien werden für den Informationsfluss genutzt?
  • Wie können Informationen aus der Kampagne auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden?
  • Welches Verhältnis hat indymedia zu den mainstream Medien?
  • Welche technischen und Finanziellen Mittel haben wir und welche brauchen wir um effektiv arbeiten zu können?
  • Wie steht indymedia zu evl. Veröffentlichungen mit strafrechtlicher Relevantes? Fragen der Repression. Es wurde vereinbart am Sonntag Arbeitsgruppen zu bilden in denen all diese Fragen und vieles mehr dann konkreter besprechen werden kann.

Sonntag

Nach einem wunderbaren Frühstück bewegten wir uns langsam in die rote Flora.

Vorstellungsrunde Kurze Zusammenfassung des gestrigen Tages Diskussion über die Bildung von Arbeitsgruppen.

Welche AGs brauchen wir und wie können die Arbeitsgebiete aufgeteilt werden ohne dass wichtige Sachen ausgelassen und andere doppelt und dreifach diskutiert werden? Es gibt viele Themen, die die Arbeit von mehreren AGs betreffen.

  • Wie sollen die AGs arbeiten?
  • Wie können die Vorschläge und Arbeitsergebnisse der AGs transparent gemacht werden und wie läuft die Kommunikation unter den einzelnen AGs und mit der ganzen indymedia Gemeinde?
  • Diskussion in Kleingruppen über die mögliche Bildung von Arbeitsgruppen.
  • Wie soll unsere AG arbeiten?
  • Was wollen wir genau machen?
  • Was sind die Wichtigsten Fragen die unsere AG bearbeiten soll?
  • Welches sind die Voraussetzungen und Bedingungen für ein effektives Arbeiten?
  • Was sind die nächsten Schritte?
  • Was muss die AG bis zum Castor alles erarbeitet haben?
  • Welche Fragen müssen noch in der größeren Gruppe geklärt werden?

Zusammentragen der Vorschläge und Arbeitsergebnisse der einzelnen Gruppen. Diskussion der Vorschläge. Begeisterung über uns selber. Zweifel ob wir dass wirklich alles hinkriegen.

Am Schluss wurde Vereinbart für die einzelnen AGs mailinglisten Einzurichten, über die innerhalb der AGs dann weiter diskutiert und gearbeitet werden kann. Eine 'gesamt' mailingliste soll dazu dienen, die Vorschläge und Arbeitsergebnisse der einzelnen AGs transparent zu machen und wichtige Fragen dann in der gesamten indymedia Gemeinde weiter zu diskutieren. Leider gibt es über die Beschaffenheit dieser Listen nun große Verwirrung. Anscheinend haben wir dass am Schluss nicht klar genug vereinbart so dass es jetzt uneinigkeit darüber gibt, was wir da eigentlich beschlossen haben. Ich hoffe wir finden da schnell eine Lösung, damit die Arbeitsgruppen schnell und konstruktiv mit der Arbeit beginnen können.

Die eingerichteten mailinglists bei indymedia.org heißen:

  1. imc-germany@lists.indymediaSTOPSPAM.org (grundsätzliche Fragen)
  2. imc-germany-action@lists.indymediaSTOPSPAM.org (Kampagnenpolitik)
  3. imc-germany-tech@lists.indymediaSTOPSPAM.org (technische Fragen)
  4. imc-germany-video@lists.indimediaSTOPSPAM.org (Thema Video )
  5. imc-germany-audio@lists.indymediaSTOPSPAM.org (Thema Audio/ Radio)
  6. imc-germany-public@lists.indymediaSTOPSPAM.org (Ausenwirkung/ Finanzen)

und entsprechen (bis auf die Namen) den Arbeitsgruppen die wir gebildet haben. Wobei ja die AgsInfrastruktur? und Technik zunächst zusammengelegt worden waren. Außerdem haben wir noch unsere alte imc-de-l@mail.nadirSTOPSPAM.org Liste über die wir alle miteinander kommunizieren können. Ich hoffe, wir können das mit den Listen schnell klären können.

Tut mir leid, dass das mit dem Protokoll so lange gedauert hat. Noch mal vielen Dank an nadir für die tolle Vorbereitung des Wochenendes!!! Auf gut Zusammenarbeit auf den Listen und in echt!!! daniel
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