Auch der 7. Castortransport ins so genannte "Zwischen"lager für atomare Abfälle nach Gorleben stösst
wieder auf einem vielfältigen,
bunten und gleichzeitig <a
href="/2003/11/65422.shtml">entschlossenen Widerstand. Die vagen Ausstiegsversprechen der Rot-Grünen Bundesregierung haben den
Widerstand kaum schwächen können und an seiner
Notwendigkeit nichts geändert.
Bereits am Samstag, den 8.11. fand in Dannenberg eine Auftaktdemonstration [
viele Bilder,
Bericht] mit mindestens 6000 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet statt - das sind mehr als letztes Jahr, und doppelt soviele wie von Polizei und
VeranstalterInnen? erwartet. 12
AktivistInnen hielten (wie schon
letzte Woche) einen Förderturm der Endlagerbaustelle in Gorleben
besetzt und verliessen ihn
freiwillig nach 12 Stunden wieder [Bilder]. Weitere Aktionen laufen: <a
href="2003/11/65390.shtml">Rallye Monte Göhrde,
Trecker-Besetzungen, ...
Auch im Vorfeld gab es schon einige Aktionen: Anschlag auf Schienenstrecke in
Heidelberg,
Unterspülung der Bahnlinie
in der Göhrde.
Hierzulande haben sich viele Aktionsgruppen auf den Transport vorbereitet (u.a. in
Bremen/Hamburg,
Göttingen, <a
href="/2003/10/64384.shtml">Biblis ...). Auch dieses Jahr gibt es in der
AntiAtombewegung? den Aufruf, den Castor schon vor Erreichen des Wendlandes zu stoppen. Beim letzten Transport mußte der Zug eine ganze Reihe unplanmäßiger Stops einlegen, die ihn mehr als 10 Stunden verzögerten [<a
href="/2002/11/33748.shtml">Überblick: Castor 2002]... Weiterhin gibt es einen
Aufruf, bundesweit dezentrale Aktionen gegen die Bahn zu starten.
Inhalt des Features:
- Lage am Sonntag, den 9.11.
- Kriminalisierung von AktivistInnen
- Politische Verortung des Castortransportes
Weitere Links
Kriminalisierung
von AktivistInnen
Atomwaffen und Nuklearenergie
Live-Stream der Freien Radios | NiX-live-Ticker
mit den aktuellsten Informationen | Organisatorisches | Wo ist der Castor?
_
Lage am Sonntag, den 9.11.
Mit der Abfahrt des Castortransportes aus der Plutoniumfabrik im französischen
LaHague? wird für Sonntag gegen 19h gerechnet. Der Castorzug soll gegen 12.40h am Montag die Grenze nach Deutschland passieren. Mit der Ankunft am Danneberger Verladekram wird am Dienstag gerechnet - oder später? Je nachdem, wie oft der Transport auf der Schienenstrecke blockiert wird. Wie im November 02 werden 12 Castorbehälter in einem Zug transportiert, mehr ist auch nicht möglich. Die genauen Fahrpläne der Castorzüge durch Frankreich wurden im September zum militärischen Staatsgeheimnis erklärt: Jeder, der
Informationen hierüber in Frankreich veröffentlicht, risikiert Geld- oder Gefängisstrafen. Trotzdem werden die Termine weiter veröffentlicht, ein Akt zivilen Ungehorsams der über die letzten Jahr stetig gewachsenen französischen
AntiAtom?-Bewegung: der Castorzug muß nicht erst in Deutschland
mit Blockaden rechnen.
Am Samstag, den 8.11 fand in Dannenberg bereits die tradionelle Auftaktdemonstration für den Widerstand gegen den Castortransport statt. Sie wurde von über 6000 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet besucht. Die Bäuerliche Notgemeinschaft beteiligte sich mit knapp 200 Traktoren an den
Protesten. Gleichzeitig wurden die Camps und Infopunkte bezogen (LINKS Lüneburg, Hitzacker, Metzing, Splietau? -
Übersicht).
Ein Aktionsschwerpunkt auch in diesem Jahr wieder die Stadt Lüneburg. Der Castorzug muß die Stadt Lüneburg nicht nur in jedem Fall passieren; die Stadt ist ein wichtiger Logistik-Punkt der Polizei, und mit der Bezirksregierung sitzt hier auch ein großer Teil der politisch Verantwortlichen für den
Castortransport und für den ihn begleitenden Polizeieinsatz. Vielfältige Ationen sind auch hier geplant. (LINK LIGA)
Im Wendland konzentriert sich der Widerstand auf die "Regio Aktiv" im Göhrde-Wald entlang der Bahnstrecke vom Lüneburg nach Dannenberg. Zum anderen sind in und um die Stadt Hitzacker (LINK) ein Camp und an den drei Widerstandsdörfern Gusborn, Grippel und Laase vom Bündnis Widersetzen vielfälige Aktionen geplant.
Mit dem Aufruf zu einer "Castorellen Landpartie" versucht die BI Lüchow-Dannenberg dieses Jahr mehr Menschen zur Castortransportzeit ins Wendland zu mobilisieren und dabei mit Kulturveranstaltungen an der Castorstrecke Protest zu zeigen.
Auch im Vorfeld gab es schon einige Aktionen: Anschlag auf Schienenstrecke in
Heidelberg,
Unterspülung der Bahnlinie
in der Göhrde.
_
"Angemeldete Demonstrationen werden ab der Zeit vom 10. November, nicht angemeldete ab dem 8. November des Jahres bis zum Transportende untersagt", heißt es in der
Verfügung der Bezirksregierung Niedersachen, gegen die <a
href="/2003/11/65044.shtml">Widerspruch eingelegt wurde. Der Aufbau in von Infrastruktur in
Lüneburg wurde behindert, in Karlsruhe bekamen bekannte
AtomkraftgegnerInnen? im Vorfeld
Demoverbote und <a
href="/2003/10/64556.shtml">Hausdurchsuchungen. Doch auch gegen
PolizistInnen? läuft mindestens ein
Prozess wegen Meineid.
_
Politische Verortung des Castortransportes
Aus vielerlei Hinsicht ist der fortgesetzte Transport von Atomüll äußerst fragwürdig. Jeder Atomtransport bedeutet eine zusätzliche Gefährdung für Mensch und Umwelt. Die Frage der Endlagerung ist noch immer nicht geklärt. Der Standort Gorleben ist aufgrund seinen nicht durchgängigen Sediments
definitiv ungeeignet - trotzdem aber wird der Salzstock weiter erkundet. Umweltminister Trittin hat im Mai eine Kommision eingesetzt, die bundesweit nach anderen geeigenten Endlagerstandorten suchen soll. Aber egal wo der Müll nun gelagert wird, ein Endlager in dem Sinne, wie es die Atomindustrie es
suggerieren will, kann und wird es nie geben. Keine geologische Formation kann garantieren, daß sie sich nicht während der Jahrtausende, die der Atommüll noch strahlen wird, verändert - egal ob es sich um Salzstöcke, Granit oder was auch immer handelt. Schon diese Tatsache wäre Grund genug,
alle Atomkraftwerke sofort abzuschalten.
Trotzdem sehen die von der Bundesregierung und der Atomindustrie vereinbarten Restlaufzeiten einen Weiterbetrieb der bundesdeutschen AKWs für mindestens weitere 30 Jahre vor. So wird sich die gesamte Atommüllmenge noch einmal verdoppeln. Da die Atomindustrie die Reststrommenge frei zwischen den AKWs
verteilen kann, kann die angekündigte Abschaltung des AKWs Stade nicht als wirklicher Erfolg gesehen werden, da andere Atomkraftwerke dann entsprechend länger betrieben werden können.
Auch jetzt noch werden bestehende Atomanlagen ausgebaut oder neue eingeweiht. Die Atomülllager an den AKW-Standorten werden zwar der Atomindustrie in einigen Jahren die Castortransporte ersparen, die zur Zeit der wichtigste Ansatzpunkt des
AntiAtom?-Widerstandes sind; aber an der allgemeinen Situation
von Atommüllproduktion und Restrisiko wird sich nichts ändern (LINKS). Auch der Ausbau der Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau wird fortgesetzt, der erste Schritt der Atomspirale hier in Deutschland (LINK Erörterungsverfahren oder www.aku-gronau.de). Mit dem Forschungsreaktor FRM II ist in diesem Jahr sogar erstmals seit 15 Jahren wieder ein komplett neuer Atommeiler in der BRD
in Betrieb gegangen. Das FRM II Projekt ist vor allem durch die Verwendung von hochangereichtertem, atomwaffenfähigem Uran (HEU) im Reaktorkern auch internationl scharf kritisiert worden.
Immer wieder wird von der Friedensbewegung und von Atomkraftgegnern auf die Zusammenhänge zwischen Atomenergie, Wiederaufbereitung zu waffenfähigen Spaltprodukten und nukleare Aufrüstung hingewiesen:
Text des Netzwerk Friedenskooperative. Die enge Verbindung zwischen der zivilen und der militärischen Nutzung der Atomkraft ist offenbar: Das bei der zivilen Nutzung der Atomkraft anfallende Plutonium kann einfacher zum Bau von Atomwaffen gewonnen werden, als es mit der Urananreicherung möglich wäre. Somit gibt es auch ein militärisches Interesse am Weiterbetrieb von Atomkraftwerken.
Der deutsche Atommüll wird in den Plutoniumfabriken "Wideraufarbeitungsanlagen" in
Sellafield(GB) oder
La Hague(F) verarbeitet. Die Möglichkeit der Gewinnung von Plutonium war in den 50er und 60er Jahren der einzige Grund, die Atomtechnik durch massive staatliche Subventionen überhaupt erst zu ermöglichen. Der Vorgänger des
Anti-Demokraten und abzusehenden Bundeskanzlers
Stoiber, CSU-Rechtsaussen F.J. Strauß war einer der führenden Protagonisten des bundesdeutschen
Atomprogramms.
Weiterführender Artikel:
Die Militarisierung der Europäischen Union
Vom einem Atomausstieg kann also auch im November 2003 keine Rede sein. Außerdem wurde trotz Ankündigung kein Neubauverbot für AKWs beschlossen, genauso kann die Atomindustrie weiterhin die Gelder, die sie als steuerbefreite Rückstellungen für die "Entsorgung" des Atommülls ansammeln
muß, frei auf dem Kapitalmarkt anlegen und sich so weiter in andere Industriezweige einkaufen. (GENAUSE SUMME DER RÜCKLAGEN) Diese Situation stellt weiterhin eine öffentliche Förderung des Atomstroms dar. Diese Tatsache läßt auch den Vorwurf der Subventionierung der Windenergie in einem anderen Licht erscheinen.
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LiNN - 09 Nov 2003________________________________________
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