Über eine Mailingliste bin ich auf einen Eintrag in dem Aktivisten-Blog www.anarchogeek.com aufmerksam geworden in dem auf ein Dokument hingewiesen wird namens "Destabilizing Networks". Der Text wurde von Mitarbeitern der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh verfasst und
vom "Office of Naval Research" der US Navy unterstützt und im November 2001 veröffentlicht. Es geht darin um das
Grundverständnis über sog. "sozio-technische" Netzwerke und wie man diese am besten destabilisieren kann.
Zwar argumentiert man in dem Dokument in erster Linie gegen den Terrorismus, doch Evan vom Anarchogeek-Blog (selbst
Indymedia-Aktivist) schlägt berechtigterweise vor, dass dieselben Erkenntnisse auch vor allem gegen soziale Bewegungen
angewendet werden können und dies wahrscheinlich schon längst geschieht.
Gerade für Indymedia als global agierendes sozio-technisches Netzwerk dürfte eine Auseinandersetzung mit diesen Erkenntnissen äußerst interessant sein.
Zunächst wird aufgelistet, welche Tools von den Forschern verwendet werden und wie diese funktionieren. Dabei handelt es sich um klassische "social network techniques", die nicht weiter ausgeführt werden und sog. "multi-agent systems", also Netzwerke bestehend aus mehreren Informationssammlern. "Agents" können sowohl elektronische Datensammler als auch menschliche sein.
Die grundlegende Arbeitsweise bei der Destabilisierung von Netzwerken sieht folgendermaßen aus:
1. Ausfindigmachen von kritischen Individuen, Gruppen und Technologien
All diese lassen sich unter dem Oberbegriff "node" (dt. "Knotenpunkt") zusammenfassen, aus denen sich jedes sozio-technische Netzwerk zusammensetzt. Es werden, ohne diese näher zu erklären, Methoden genannt welche dabei helfen kritische Knotenpunkte ausfindig zu machen ("centrality", "cut-points").
Ein Programm namens "ThreatFinder" wird erwähnt, das dazu verwendet wird mit klassischen Methoden Schwachstellen in Firmen, wie kritische Mitarbeiter und Redundanz (also Überflüssigkeit von Arbeitskräften oder Ressourcen) festzustellen. Laut Verfasser soll es damit möglich sein, folgende Schwachstellen erfolgreich herauszufiltern:
2. "Pattern location" (dt. Mustererkennung)
Angeblich habe es in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte im Bereich der "graph level analysis" gegeben, die es mithilfe lernfähiger Software ermöglichen Muster in sämtlichen grafisch darstellbaren Daten festzustellen, die zu erkennen das menschliche Auge nicht in der Lage wäre. Aufgezählt werden: Interaktion und kommunikative Netzwerke, finanzielle Netzwerke, inter-organisatorische Bündnisse, mentale Modelle, Text, Webseiten, "Wer war wo zu welchem Zeitpunkt?" und Geschichtsstränge. (Das Dokument selbst liefert hier noch einige weitere Ausführungen.)
3. "Was-wäre-wenn-Analysen" und Handlungsrichtlinien
Hier gibt es einige erprobte Handlungsmöglichkeiten, die laut Text erfolgreich angewendet werden, bzw. genauer erforscht werden. Dazu gehören:
Als grundlegende Probleme bei der Analyse grosser sozio-technischer Netzerke werden vor allem die technischen Limits der verwendeten Computersoftware angesprochen, die meist auf kleinere Netze ausgerichtet sind, statt grössere oder global agierende, sowie der Mangel an öffentlichen Datenbanken grosser Netzwerke, an denen die Technologien erprobt werden könnten. Ausserdem scheint die Analyse von Netzwerken am besten mit kompletten Daten zu funktionieren, die man meistens nicht hat. Daher schlägt man vor, sich in Zukunft auf die Interpretation von Datenfragmenten zu spezialisieren und die Funktionsweise grosser Netzwerke anhand einzelner Teilbereiche zu analysieren (Subnetze, Untergruppen). Häufig ist es so, dass Gesamtnetzwerke, die aus verschiedenen Subnetzen oder Untergruppen bestehen, die gleiche Verhaltensweise haben, wie die einzelnen Mitglieder in diesen Subnetzen/-gruppen untereinander.
Das Computerprogramm "CONSTRUCT-O" wird als Tool genannt, das die dynamischen (also sich ständig verändernden) Beziehungen von Knotenpunkten zueinander kartografiert und analysiert. Die Grundvoraussetzungen sind a) dass Menschen adaptieren (nachahmen, Verhaltensweisen annehmen) und b) dass sie miteinander interagieren. Mit wem Menschen interagieren hängt von Gemeinsamkeiten ab: ethnischen, ökonomischen, religiösen, politischen usw. Ausserdem werden Menschen meistens mit denjenigen interagieren die sich auf einem vergleichbaren Wissens- und Interessenstand befinden (zb. werden technikorientierte Menschen mehr mit anderen technikorientierten Menschen zusammenarbeiten). Dazu kommt, dass Menschen sich vor allem in die Nähe derjenigen begeben, von denen sie etwas lernen können, von denen sie sich also einen Vorteil versprechen. ("relative similarity", "relative expertise").
Darüberhinaus gibt es die Feststellung eines "emergent leader", einer sich herauskristallisierenden Führungspersönlichkeit. Dabei handelt es sich in der Regel um die Person mit dem grössten "cognitive load", also dem höchsten Wissensstand und der höchsten intellektuellen Kapazität. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass es immer Knotenpunkte in einem Netzwerk gibt, denen man eine Führungsrolle zurechnen kann und einen grossen Teil des Netzwerks beeinflussen. Sie schlagen daher vor, dass die Eliminierung dieses Knotenpunkts eine sehr gute Methode ist, um ein Netzwerk zu destabilisieren.
Es gibt mindestens drei Hauptmerkmale für die erfolgreiche Destabilisierung eines Netzwerks:
Hierarchie vs. Dezentralismus
Die zwei Grundtypen einer Netzwerkordnung sind die "hierarchische, zentralisierte Struktur" und die "verteilte, dezentralisierte" ("distributed decentralized network"). Bei der hierarchisch zentralisierten Netzwerkstruktur handelt es sich um ein veraltetes, aber immer noch sehr gebräuchliches System, bei denen die Anführer (im unteren Bild dargestellt durch Rechtecke), bzw. die übergeordneten Knotenpunkte, klar definiert sind und eine zentrale Position einnehmen. Von dieser aus können sie die untergeordneten Knotenpunkte direkt beeinflussen, während diese selbst untereinander nicht vernetzt sind (betreffend Entscheidungsrichtung und Wissensfluss). Beim Militär, Terrornetzwerken wie der Al-Quadia, den meisten Firmen, sowie in der staatlichen Politik findet diese Struktur Anwendung.

Bild 1: ein hierarchisches Netzwerk
Im unteren Bild wird der Anführer entfernt was in diesem Beispiel zu einem schwerwiegenden Zusammenbruch des Netzwerks führt, da die einzelnen Untergruppen in keinerlei Kommunikation zueinander stehen. Erholt sich das Netzwerk, was wahrscheinlich ein langwieriger Prozess wäre, so könnte es hinterher aussehen wie in Bild 3 beschrieben. "Central" kennzeichnet einen Knotenpunkt, der zwar kein Anführer ist, aber überdurchschnittlich gut vernetzt. In der Regel dürfte dieser die Rolle des früheren Anführers, des "Leaders", übernehmen.

Bild 2: Ein hierarchisches Netzwerk nach dem Entfernen des "Leaders"

Bild 3: Und nach der Reorganisation
Dezentrale Netzwerke sind wesentlich komplexer und schwieriger aus ihrer Stabilität zu bringen. Da sich die meisten modernen sozialen Bewegungen aus distributed decentralized networks zusammensetzen (so auch Indymedia, GNU/Linux und Peer-2-Peer Filesharing-Systeme) sind diese für Uns von wesentlich grösserem Interesse.
Bild 4 ist eine Beispieldarstellung für so ein dezentralisiertes sozio-technisches Netzwerk. Man muss hinzufügen, dass "nodes" (Knotenpunkte) nicht nur Menschen, sondern auch Computer, wie Web-, Chat- oder Wiki-Server sein können, oder auch Gruppen von solchen; also Knotenpunkte im Netzwerk, über die Kommunikation läuft oder auf denen Informationen gespeichert werden. Die Entfernung zwischen den einzelnen Knotenpunkten (Kreise) zeigt wie eng das Wissen dieser zusammenliegt. Zwei Kreise die eng beieinander liegen könnten also zwei Aktivisten mit sehr ähnlichem Wissen sein, oder zwei Server mit sehr ähnlichem Inhalt (zb. Mirrors). Linien zeigen welche Knotenpunkte zum Zeitpunkt des Beobachtungsfensters miteinander in kommunikativem Kontakt standen. Isolierte Punkte sind zwar Teil des Netzwerks, standen aber während der Beobachtungszeit nicht im Kontakt mit anderen Mitgliedern des Netzwerks. Dicke Linien kennzeichnen eine sehr starke Bindung zwischen zwei Knotenpunkten, bei sowohl sehr starker Zusammenarbeit auf funktioneller Ebene, als auch eine starke soziale Bindung.

Bild 4: Ein verteiltes, dezentrales Netzwerk
Entfernt man den "Leader", der hier gleichzeitig der am meisten vernetzte Knotepunkt ist, also auch "Central", so sieht man dass dies zunächst weniger Schaden anrichtet als im hierarchischen Netzwerk oben. Die Verfasser des Papiers weisen sogar auf eine interessante Nebenerscheinung hin, die sehr häufig einzutreten scheint: das Entfernen einer zentralen Persönlichkeit kann sich positiv auf das Netzwerk auswirken. So geschieht das auch in diesem Beispiel (siehe Bilder 5 u. 6). Dort wird das Entfernen der Führungspersönlichkeit schnell durch das Knüpfen neuer Kontakte in ihrer Umgebung aufgefangen und es entwickeln sich dort unmittelbar neue "Leader". An anderer Stelle (rechte Seite) sorgt das Fehlen des Kontaks zum ehemaligen Leader/Central dafür, dass sich dort ein eigener Schwerpunkt bilden kann. Dies verteilt die kognitive Last auf zwei relative Zentren im Netzwerk, statt wie vorher eines. Das Funktionieren der anderen Subnetze wird durch dieses Ereignis sichtbar kaum beeinflusst.

Bild 5: Nach dem Entfernen des "Leaders"

Bild 6: Und nach der Reorganisation
Diese wissenschaftlich ausformulierten Erkenntnisse, decken sich weitestgehend mit meinen eigenen Beobachtungen innerhalb solcher sozialen Netze. Und wenn auch unbewusst, so scheinen viele die Schwächen einer solchen Organisationsform zu erkennen und entsprechend gefährlichen Entwicklungen entgegenzuwirken. So wurde der Tortenwurf gegen Luca Casarini, den "selbsternannten Anführer der Disobedienti" (Link), mit seinem zunehmenden Auftreten als Führungspersönlichkeit der sozialen Bewegungen in Italien begründet. Die kontinuierliche Kritik an "attac" als zu zentrale Institution der sozialen Bewegung (und die ablehnende Haltung einer scheinbaren Hierarchietendenz gegenüber) ist ein vergleichbarer Schutzmechanismus. Als sich das Indymedia-Netzwerk 2002 durch den Protest von Aktivisten vor allem aus dem globalen Süden gegen einen Funding-Versuch der fragwürdigen Ford-Foundation* aus den Vereinigten Staaten über 100,000 Dollar wehrte und das Geld (welches in erster Linie für globale Treffen verwendet werden sollte) ablehnte interpretierte das ein Gal Beckerman des Columbia Journalism Review in einem Artikel über das Mediennetzwerk als Schwäche, Entscheidungen treffen zu können, die es für die Zukunft zu überwinden gelte (Link). Beckerman glaubt das Indymedia-Netzwerk habe damit die Chance auf eine langersehnte Geldspritze fallen lassen und zitiert Sascha Meinrath, kontroverser Aktivist des Urbana-Champaign IMC und selbsternannter "Schatzmeister" des Indymedia-Netzwerks, der Streit um das Ford-Geld habe Risse im globalen Netzwerk verursacht die Jahre brauchen würden um sich zu glätten.
Tatsache ist, dass die Kontroverse um die Spendengelder vom Großteil des globalen Netzwerks kaum zur Kenntnis genommen wurde. Die wenigsten IMCs lassen ihre finanziellen Mittel durch das Konto des Urbana-Champaign IMC verwalten, desweiteren besitzen die meisten IMCs kaum finanzielle Mittel, sondern organisieren sich antikapitalistisch durch die Nutzung solidarischer Strukturen, sowie Mitteln aus eigener Tasche. Kapital bleibt die größte Gefahr für den unabhängigen Journalismus weil durch sie Abhängigkeiten zu Geldgebern geschaffen werden, die eine längerfristige Korruption nicht ausschliessen. Das Ablehnen grosser Spenden und der kritische Diskurs gegenüber "reichen" IMCs wie Urbana-Champaign oder den in Seattle, welcher für seine Büroflächen lange Zeit städtische Gelder bezogen hatte, ist daher positiv und als emanzipatorisch zu werten und zeigt dass der Autor des verlinkten Beitrags das Prinzip Indymedias und die Funktionsweise dezentraler Netzwerke in diesem Punkt nicht ganz verstanden hat.
Zusammenbruch und Neuorganisation
Man scheint in der progressiven Gesellschaft langsam begriffen zu haben, dass Führungspersönlichkeiten und zentrale Strukturen eine grundlegende Gefahr für den Erfolg einer sozialen Bewegung darstellen. Spätestens für die nächste Generation die in der Vergangenheit häufig unter dem neuen Diktat der alten Revolutionäre leiden musste.
Doch auch im viel kleineren Maßstab lassen sich solche Entwicklungen nachvollziehen und beobachten: Mitte 2002 führten innere Streitigkeiten bei Indymedia Frankreich zu einem Kollaps, das den ohnehin sehr kleinen, in Paris basierten IMC zur Selbstauflösung zwang. Die zu zentrale Natur des IMC und die ungleiche Verteilung der Ressourcen (zb. Zugriff auf den Server) resultierten darin, dass administrative Passwörter von Einzelpersonen unterschlagen wurden, der Newswire für interne Streitereien missbraucht wurde, u.a. Dadurch blieb der Newswire eine ganze Zeit lang unbetreut und verwahrloste in den Folgemonaten durch rechtsgerichtete Postings und sinnlosen Spam. Die Mittelspalte wurde ebenfalls nicht mehr gepflegt. Am 1. Juli 2002 schrieb das übriggebliene Frankreich-Kollektiv einen Antrag an eine globale Arbeitsgruppe in dem sie selbst darum bat, Indymedia France aus dem DNS auszutragen (also die Webadresse france.indymedia.org aufzulösen) und ihr bis auf weiteres den Status eines IMC abzuerkennen. "Indymedia Frankreich" war damit offiziell ein Fehlschlag und existierte vorerst nicht mehr.
Doch dieser Zusammenbruch führte zu einem Selbstreinigungsprozess der den Ausführungen der Wissenschaftler der Carnegie Mellon Universität wenige Monate nach der Veröffentlichung ihres Dokuments recht geben sollte: IMC France unterzog sich einer "Eigentherapie" (Link) und arbeitete ihr Grundselbstverständnis von Neuem auf. Es wurden klarere Richtlinien entwickelt, nach denen der Newswire betreut werden sollte, sowie klar definierte Regeln für den Umgang mit Passwörtern und die Verteilung von Kompetenzen. Darüberhinaus einigten sich die beiden ersten lokalen IMCs, welche aus dem Zusammenbruch neu entstanden (IMC Isle-de-France und IMC Nice) auf das Arbeitskonzept der "radical transparency" (Link). "Radical transparency" (dt. "radikale Transparenz") beschreibt die totale, radikale Offenlegung sämtlicher Entscheidungsstrukturen und Arbeitsweisen. Lediglich private Daten und systemkritische Passwörter sind davon ausgenommen.
Hiermit sollte der Öffentlichkeit, sowie der Allgemeinheit der beteiligten Indymedia-Aktivisten eine größtmögliche Einsicht gewährleistet werden, um damit das Vertrauen in die Praktiken des Netzwerks zu steigern. Dies geschah vor allem vor dem Hintergrund spätere Streitigkeiten und Schuldzuweisungen von vorneherein zu verhindern, indem man allen die Möglichkeit gibt, während des Entscheidungsprozesses offen mitzuwirken. Dies soll "Strafmechanismen" für falsche Entscheidungen (wie sie zb. in Wirtschaft und Politik Gang und Gebe sind), nachträgliche Kritik und Entscheidungsrevisionen verhindern. Derartiges kann sich vor allem auf dezentrale Netzwerke über lange Zeit hinweg lähmend auswirken.
Indymedia Frankreich ist derzeit ein stetig wachsendes Netzwerk aus lokalen Gruppen mit örtlichen IMCs in Paris, Nizza, Lille, Nantes, Liege und ferner Euskal Herria (Baskenland). Weitere Kollektive sind am Entstehen, darunter in den Städten Marseille, Grenoble, Strasbourg und Lyon. Auch Indymedia UK (das Kürzel steht nach "offizieller" Entscheidung vom 7. April 2003 für "United Kollektives") unterzog sich einem ausführlichen Dezentralisierungsprozess. Aus einem Streit heraus zwischen der damaligen "London Working Group", die lediglich aus zwei ambitionierten Aktivisten bestand und einem sich neu formierenden "London Collective" entschloss man sich dazu den zentralen London-Charakter Indymedia UK's zugunsten einer Regionalisierung aufzugeben. Nun gibt es neben Schottland, Wales, Irland, und den beiden eigenständigen Städte-IMCs Lancaster und Bristol noch neun weitere regionale Seiten mit eigenen Newswires, Mittelspalten und Moderationsgruppen, welche sich die Zusammenarbeit auf der landesweiten Seite teilen.
Praktische Anregungen für die Zukunft
Die Bestrebungen des Militärs, der Polizei und ähnlicher Organisationen, die Funktionsweise sozialer Netzwerke zu verstehen und ihre Erkenntnisse vor allem gegen Staatssgegner und alternative Strukturen anzuwenden sollte man spätestens seit dem Fall Aaron Kilner ernster nehmen (Link). Damals kam nur durch Zufall, nämlich durch den Unfalltot des Aktivisten in einer Antikriegsgruppe mit dem Namen "Peace Fresno" in der gleichnamigen Stadt ans Tageslicht, dass dieser in Wirklichkeit ein Spitzel der "FCSD", einer Anti-Terrorismus-Einheit war, die wahrscheinlich mit der JTTF, der damals kürzlich gegründeten neuen "Joint Terrorism Task Force", zusammenarbeitete. Kilner nahm über mehrere Monate hinweg an Gruppentreffen teil, reiste gemeinsam mit den anderen auf das WTO-Treffen in Sacramento im Juni 2003 und machte sich umfangreiche Notizen über die Aktivisten und ihre Strukturen.
Es dürfte klar sein, dass der vielbeschworene Terrorismus nicht das Hauptproblem des Staates ist, im Gegenteil: die Allgegenwart des Terrorismus schürt Unsicherheit, und diese ist ein guter Vorwand für politischen Aktionismus der auf jene abzielt, die wahren gesellschaftlichen Wandel in einem Land herbeibringen und damit die Macht des Staates in Frage stellen können - mehr als dies der Terrorismus jemals könnte.
Somit könnte sich das Augenmerk der Forschungen im Bereich Netzwerk-Destabilisierung weniger darauf konzentrieren, Anführer zu eliminieren, sondern vor allem darauf herauszufinden, wie man dezentrale Netzwerke erfolgreich schwächen oder manipulieren kann. Da das vorgelegte Arbeitspapier schon drei Jahre alt ist dürfte sich seither auch einiges getan haben. Wie die Beispiele aus Frankreich und der UK zeigen kann man der Zukunft jedoch einigermaßen gelassen entgegen sehen. Dezentrale Netzwerke sind weithaus komplexer und flexibler als sich das manch einer wünschen würde und viele sind sich sicher, dass es sich bei ihnen um eine neue Stufe der Evolution handelt, die gekoppelt mit zunehmendem materiellen und informationellen Überfluss (Open Source und Copyleft) längerfristig für den Untergang hierarchischer Gesellschafts- und Arbeitsformen sorgen wird. Doch noch sind hierarchische Netzwerke stark und durch die Anwendung von Gewalt (sei es logistische Gewalt durch die Firmenwelt oder Waffengewalt durch Staaten) durchaus in der Lage, die Entwicklung neuer sozialer Ordnungen zu stören und hinauszuzögern.
Für die weitere Entwicklung von Indymedia und ähnlichen progressiven Organisationen könnten folgende Anreize deshalb von grundlegender Bedeutung sein:
Es kann also nur gut sein wenn sich in den verschiedenen Städten Deutschlands weitere unabhängige Medienzentren gründen. Niemand (ausser den Feinden der Pressefreiheit) sollte etwas dagegen haben, und niemand braucht von irgendjemandem eine Genehmigung dafür.
Die verwendete Software für die Publishing-Systeme sind Open Source und frei erhältlich. Mailinglisten kann man sich unter http://lists.indymedia.org/ ohne viel Aufwand einrichten lassen (es wäre jedoch auch sinnvoll diese anderswo einzurichten; wenigstens eine Ersatzmailingliste für den Fall eines Serverausfalls). Man sollte sich ausserdem darum bemühen so viele Leute und Gruppen wie möglich in das Projekt miteinzubinden und die Existenz eines lokalen Indymedia-Netzwerks weitläufig bekannt machen ("outreach"). Dadurch ermöglicht man es vielen dazuzustoßen. Ein IMC muss (oder sollte) dabei keinen "offiziellen" Charakter haben, sondern kann sich auch als dezentrale Aktionsform etablieren. Das macht modernen Medienaktivismus weniger greifbar für repressive Behörden als eine klar definierbare Gruppe.
Die Gründung lokaler IMCs in Deutschland wäre kein Konkurrenzverhalten gegen de.indymedia.org, sondern eine gegenseitige Ergänzung. Sie würde die Erprobung unterschiedlicher Herangehensweisen und einen Erfahrungsaustausch ermöglichen, den es bisher nicht gibt. Zudem würden mehrere deutschsprachige IMCs im Falle eines Angriffs Ausweichmöglichkeiten für die Verbreitung von Information bieten.
Informationen für die Gründung eigener IMCs findet man unter http://docs.indymedia.org/. Oder man denkt sich einfach selbst was aus.
The revolution will be a distributed decentralized one!
Das Original PDF-Dokument "Destabilizing Networks"
*Ford Foundation (http://www.fordfound.org/):
Richard Bisell, ehemaliger Präsident der Foundation, äußerte, Sinn und Zweck soll es weniger gewesen sein "Linke Intellektuelle dialektisch zu besiegen, als sie vielmehr von ihren Positionen wegzuködern".
Mitglieder im Board of Trustees der Ford Foundation (also Geldgeber) sind laut Eigenangabe u.a.:
Ausserdem war die Bin Laden-Familie Mit-Investor bei Carlyle ehe sie kurz nach dem 11. Sept. 2001 ihre 2-Milliarden US-Dollar-Beteiligung unter geringem Medieninteresse aufgab.
Weshalb sollte ein solcher Verein ausgerechnet Indymedia mit einer 100.000-Dollar-Spende unterstützen wollen?
http://en.wikipedia.org/wiki/Carlyle_Group
http://en.wikipedia.org/wiki/Ford_Foundation
http://lists.indymedia.org/pipermail/imc-germany/2002-September/001436.html - eine Email-Korrespondenz dazu auf der imc-germany-Mailingliste
http://lists.indymedia.org/mailman/public/imc-process/2002-September/003794.html - Statement von IMC Argentinien (englisch/spanisch)
Links zum Beitrag:
http://www.ksg.harvard.edu/complexity/papers/connections4.pdf - "Destabilizing Networks"
http://www.anarchogeek.com/ - bekannter Blog eines langjährigen IMC-Aktivisten
http://lists.indymedia.org/pipermail/imc-france/2002-July/003477.html - IMC France-Mail
http://docs.indymedia.org/view/Global/ImcFranceCrise2002 - Archive der IMC France-Krise
Weitere Links zum Thema:
http://www.wacc.org.uk/modules.php?name=News&file=article&sid=243 - interessanter Artikel aus England über Indymedia
Germany und ihre Eigenheiten (englisch)
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