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Pressespiegel

Artikelsammlung über vienna.indymedia.org

Inhaltsverzeichnis


12.01.2005: FM5.at: Indymedia - weltweit und in Österreich

http://www.fm5.at/artikel.php?id=548

Indymedia - weltweit und in Österreich

Was ist Indymedia?

Das "Indy" in Indymedia steht für independent (engl. unabhängig) und trifft die Selbstdefinition von Indymedia bereits ganz gut. Indymedia ist ein weltweites Kollektiv an Organisationen, MedienaktivistInnen? und engagierten Menschen. Es erhebt den Anspruch auf eine basisnahe, unabhängige Berichterstattung aus erster Hand. Die vielen Independent Media Centers (IMCs) weltweit bestehen im Grunde aus jeweils einer Website, auf der Berichte über lokale aber auch internationale Ereignisse veröffentlicht werden. Die Essenz von Indymedia ist das Open-Publishing Konzept, dass es jeder Person erlaubt anonym Beiträge zu veröffentlichen. Es gibt bei Indymedia kein Redaktionssystem, dass die Beiträge zuerst durchsieht und dann freigibt, wohl aber ModeratorInnen?. Da Indymedia keine zentral gesteuerte eigenständige Organisation ist, sondern lediglich ein loser Zusammenschluss von lokalen Independent Media Centers (IMCs) auf der ganzen Welt, variiert auch das Selbstverständnis der ModeratorInnen?. Bevor wir jedoch einen genaueren Blick auf Indymedia werfen, ein kurzer Ausflug in die Geschichte.

Wie entstand Indymedia?

Natürlich gab es die Idee von unabhängigen Nachrichten schon weit früher, das eigentliche Indymedia entstand jedoch erst 1999 in Seattle. Die damaligen Demonstrationen und Proteste gegen das Treffen der WTO (World Trade Organisation) bildeten den Auftakt einer ganzen Reihe von Demonstrationen gegen diverse Gipfeltreffen weltweit (Davos, Prag, Salzburg, Genua,...) und werden heute oft als Geburtsstunde der globalisierungskritischen Bewegung genannt. Das Independent Media Center in Seattle berichtete hautnah und aktuell von den Ereignissen, die Internetseite wurde in diesen Tagen 1,5 Millionen mal pro Tag aufgerufen. Wenig später entstanden im Zuge von Gipfeltreffen in Boston und Washington weitere IMCs, und bald darauf in der ganzen Welt. Momentan gibt es an die 150 Independent Media Centers weltweit, die auf allen Kontinenten vertreten sind.

Indymedia im Detail

Wie bereits erwähnt sind der Kern der IMCs die Webseiten auf denen Berichte veröffentlicht werden. Dabei können auch Bilder, Videos und Audio-Dateien hochgeladen werden, die sich auf das Ereignis beziehen. Andere Indymedia-BenutzerInnen können diese Artikel dann kommentieren, ergänzen, kritisieren, etc. was auch meistens passiert. Verwaltet und moderiert wird die Seite von den lokalen "Indys" also den Indymedia-AktivistInnen. Obwohl momentan der Fokus von Indymedia auf dem Internet liegt gibt es auch zahlreiche Indymedia-Projekte im Bereich Radio, Zeitung und Fernsehen. Ein Punkt der immer wieder zu heftigen Diskussionen führt ist die Frage der Zensur, und wie mit beleidigenden und diskriminierenden (rassistischen, antisemitischen, sexistischen, etc.) Beiträgen umgegangen werden soll. Grundsätzlich gibt es das Bekenntnis solche Beiträge nicht zu tolerieren und zu löschen, oder zumindest zu verstecken oder in einen bestimmten Bereich zu verschieben ("Zensurkübel"). Die schwierige Frage ist hierbei natürlich, auf welche Beiträge konkret diese Maßnahmen angewendet werden sollen. Ein weiteres Problem wirft natürlich das Open-Publishing Konzept auf, da natürlich alle möglichen Personen an Indymedia teilnehmen können (was natürlich ausdrücklich erwünscht ist). Dadurch kann es aber auch zu bewusst falschen oder verzerrten Berichten kommen, auch von Personen und Organisationen die Indymedia nicht freundlich gesinnt sind. Da Indymedia traditionell eine Plattform der Linken ist, macht sich von Zeit zu Zeit Furcht breit, rechtsextreme Organisationen oder die Polizei könnten Indymedia für ihre Zwecke benutzen (diese Furcht ist natürlich nicht unberechtigt!). Das Open-Publishing Konzept führt natürlich zu einigen Problemen, macht Indymedia gleichzeitig aber auch so einzigartig und begehrt. Der Anspruch von Indymedia ist es jedenfalls, solche Probleme auf breiter Basis und möglichst transparent auszudiskutieren (z.B. auf Mailinglisten), um eine konsensuale Lösung zu finden. Als gutes Praxisbeispiel zu diesem Thema, und um die angesprochenen Probleme genauer zu erörtern, bietet sich das österreichische IMC an.

Indymedia in Österreich

Das österreichische IMC (zur Erinnerung, IMC = Independent Media Center) entstand im Mai 2001, rechtzeitig zu den Protesten gegen den WEF- (World Economic Forum) Gipfel in Salzburg. Bereits zuvor, im Jahr 2000, hatten österreichische AktivistInnen bei den Protesten gegen IWF (Internationale Währungsfonds) und Weltbank in Prag Erfahrung mit dem Indymedia-Konzept gesammelt. Bei at.indymedia.org werden alle Beiträge sofort und ohne Kontrolle auf die Startseite (konkret auf den "Newswire") gestellt. Das deutsche Indymedia (de.indymedia.org) hingegen, ist eines von vielen, das einen anderen Ansatz verfolgt. Nur von den ModeratorInnen? gelesene und den Indymedia-Grundsätzen entsprechende Beiträge werden in den Newswire auf der Startseite gestellt, alle anderen landen (vorerst) in einem Open-Posting Bereich. Am 3. Mai 2004 wurde at.indymedia.org vom Netz genommen, um einen Umstrukturierungsprozess zu beginnen. Grund dafür war die Überlastung und Demotivation der österreichischen "Indys" und die zunehmend schlechte Atmosphäre auf der Website. Die gegenseitigen Beschimpfungen, Beleidigungen und Verdächtigungen häuften sich, und gute, hochwertige Berichte waren nur noch schwer zu finden. Indymedia wurde als Plattform für die Streitigkeiten und Diskussion von Meinungsverschiedenheiten verschiedener Gruppen und Organisationen innerhalb des linken Spektrums genutzt, wobei das Selbstverständnis von Indymedia auf der Strecke blieb. Des weiteren wurden auch immer wieder Daten (Name, Adresse...) von Personen gegen deren Willen veröffentlicht, und at.indymedia.org zunehmend von Neonazis als Quelle verwendet. Im Zuge der Umstrukturierungsphase kam es zu Treffen in ganz Österreich, bei der neue AktivistInnen und ModeratorInnen? angeworben werden sollten. Natürlich wurden dabei auch die vorhandenen Probleme angesprochen und diskutiert. Seit dem 13. August 2004 ist at.indymedia.org wieder online, und die mehrwöchige Pause dürfte der Seite gut getan haben. Zwar gibt es noch immer die zwangsläufige Zensurdiskussion und kleinere Reibereien, aber die "Qualität" der Seite leidet nicht mehr in einem Maß darunter, wie zuvor.

vienna.indymedia.org

Im Zuge der Umstrukturierungsphase von at.indymedia.org, bildete sich eine Gruppe, die ein neues IMC in Österreich verwirklichen wollte - vienna.indymedia.org. Anhand von vienna.indymedia.org lässt sich gut nachvollziehen wie ein neues IMC entsteht, welche Entscheidungen dabei getroffen werden müssen und welche verschiedenen Ansätze es gibt. Dem Ganzen geht zunächst ein langwieriger und schwieriger Diskussionsprozess voraus. Dabei gibt es viele wichtige Fragen zu klären, verschiedene Ansätze abzuwägen und zu einer konsensualen Entscheidung zu kommen. Auch wenn man/frau es der kurzen Beschreibung von vienna.indymedia.org nicht anmerkt, hinter den erwähnten Punkten steht mehr Diskussion und Reflexion als man/frau annehmen möchte. Um als IMC anerkannt zu werden, müssen die AktivistInnen einen Prozess durchlaufen, bestimmte Kriterien erfüllen und den Indymedia-Grundsätzen zustimmen. Dazu gehören zum Beispiel an keine Partei gebunden zu sein, nicht profit-orientiert zu sein, offen und konsensual zu entscheiden und vieles mehr. Vienna.indymedia.org hat diesen Prozess bereits erfolgreich abgeschlossen und wird im Laufe des Jänners online gehen. Das Wiener IMC verfolgt den Ansatz des deutschen IMC und stellt nicht sofort alle geschriebenen Beiträge auf die Startseite (konkret in die rechte Spalte, den "Newswire"). Diese landen zuerst im Open-Posting Bereich, und falls sie den Indymedia-Grundsätzen völlig zuwider laufen sogar in einem "Abfallbereich". Dieser kann nicht öffentlich eingesehen werden, wird einem jedoch nach Anfrage per E-Mail zugesandt. Die linke Spalte dient, wie üblich, einer Auflistung aller weltweiten Indymedia-Projekte, und in der mittleren Spalte landen von den ModeratorInnen? ausgewählte Beiträge die als besonders ausführlich und informativ befunden wurden. Vienna.indymedia.org soll kein Wien zentriertes IMC werden, sondern verfolgt hauptsächlich ein anderes Moderationskonzept als at.indymedia.org, mit dem Anspruch, dass "besonderes Augenmerk auf eine klare Strukturierung der veröffentlichten Nachrichten gelegt (wird)."

Abschließend möchte ich noch allen Leserinnen und Lesern nahe legen, gelegentlich auf einer Indymedia-Seite vorbei zu schauen, sich Informationen zu holen und vielleicht auch selbst ab und zu einen Beitrag zu schreiben. Be the media!


17.12.2004: at.indymedia.org: zensur und macht gehen hand in hand. ein rückblick auf eine medienveranstaltung

http://at.indymedia.org/newswire/display_any/48273

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17 Dez 2004 Geändert: 03:38:08 by wawrum

einfach scheint die lösung, indem mensch die zensur negiert und dadurch, unter anderem, die machart des eigenen projektes zu legitimieren versucht. im internetz keine zensur, da überall alle information ergoogelt werden kann? so zumindest scheint die meinung jener zu sein, die für einen geschlossenen raum im medienbereich eintreten, wie etwa mund, no-racism, oder das neue imc.vienna. am 15. dez versammelten sich ca. 20-30 menschen im que(e)r beisl/ekh um über verschiedene fragen innerhalb linker medienprojekte zu reflektieren. dabei stellte sich als bald ein interessenskonflikt ein, der sich zwischen dem podium und einigen aus dem publikum entfachte. es ging dabei um die prinzipielle frage nach der offenheit bzw. setzung eines bestimmten rahmens für linke medienprojekte. in dieser hinsicht standen sich projekte wie imc.vienna, mund, orange und no-racism, die eine vorselektierung der beiträge durchführen, dem medium at.indymedia gegenüber, welches keine bewertung von beiträgen abgibt und nur bei offensichtlicher diskriminierung artikel/beiträge versteckt.

dabei geht es mir nicht um eine lösung des konflikts, sondern um ein argument welches die pro-vorselektionsfraktion benützte, um, wie es mir scheint, eine legitimation dieser handhabe zu gewinnen.

es stellte sich nach einiger zeit diskussion die frage nach der zensur und über ihre anwendung. verwundert, aber interessiert, wurde mir vom podium aus offeriert, dass die fragestellung der zensur im medienkontext internet sich gar nicht stellen kann. der grund läge darin, dass das internet alle inhalte bereithält und mensch über kurz oder lang die gewünschte information schon finden würde. zensur wird quasi ad acta gelegt und mensch spart sich die elendslangen diskussionen darüber. nur so einfach verhält es sich nicht, wies mir dann etwas später geschossen ist.

betrachtet mensch diese praxis im diskurstheoretischen zusammenhang, so wird klar, dass es sich dabei um einen kunstgriff in die wundertüte handelt. definiert mensch diskurs als eine institutionell verfestigte redeweise, insofern eine solche redeweise schon handeln und somit macht ausübt, stürzt dieses gebäudekomplex bestehend aus einer ignoranten haltung gegenüber dem begriff zensur, bei gleichzeitiger anerkennung von machtstrukturen ein. diese leugnung des begriffs zensur beginnt damit, dass offensichtlich davon ausgegangen wird, dass das internetz eine homogene, zu allen inhalten gleichsam zugängliche informationsquelle darstellt. dies ist aber nicht haltbar, da sehr wohl im internetz eine machtverteilung der informationen stattfindet und diese machtverhältnisse auch von allen diskutantinnen anerkannt wurden. wenn macht im internet und somit auch bei linken medien verortbar ist, fragt sich, was denn die macht dort eigentlich macht. anna arendt sagt über die macht: "macht aber besitzt eigentlich niemand, sie entsteht zwischen menschen, wenn sie zusammen handeln, und sie verschwindet, sobald sie sich wieder zerstreuen". dh. das macht eine ansammlung von menschen ist, die gleichgerichtet handeln, aber auch jene ausschließt, die sich nicht dabei beteiligen dürfen/wollen/können. max weber sagt dazu: "macht ist jede chance, innerhalb einer sozialen beziehung den eigenen willen auch gegen widerstrebend durchzusetzen, gleichviel, worauf diese chance beruht." und dieses widerstreben bzw. ausschluss von personen/meinunsgbilder an institutionen, wie indymedia, mund etc. kann mit zensur gleichgesetzt werden.

ich halte es sogar für gefährlich, wenn die linke beginnt sich der frage nach der zensur in der weise entzieht, indem sie beginnt die zensur als solches zu verschweigen. das internetz stellt in dieser hinsicht keine wesentliche neuerung dar, was den zugang zu informationen betrifft. zu jeder zeitperiode gab es das gesamte wissen, verteilt über den ganzen globus. jeder hatte prinzipiell zu allem wissen zugang, sofern bildung, wissen, geld und zeit, es ermöglichten. hierin hat sich nichts verändert...bildung für das verstehen und verfolgen von zusammenhängen; wissen darüber wie mensch sein wissen in den internetpool einspeist und gewinnt; geld um sich die hardware dafür zu leisten bzw. an sie heranzukommen und zeit, um sich damit beschäftigen zu können, womit wir wieder bei bildung wären.

es ist aus diskursivem verständnis heraus nicht nachvollziehbar, warum mensch die existenz von zensur negiert. jeder augenblicklich geführte diskurs bezieht sich auf initiativen, die maßgeblich von institutionen, wie politik, medien, oder einflussreichen privatorganisationen initiiert und fortgeführt werden. dies bezeichnet geradezu ein bild der zensur, nämlich der nichteinbindung anderer meinungsbilder.

will die radikale linke weiterhin zensur ausschließen oder nicht davon sprechen, so wird sie, als eine von der zensur betroffene, nicht leicht haben verstanden zu werden.


08.12.2004: at.indymedia.org: Indymedia in Wien

http://at.indymedia.org/newswire/display/47748/index.php

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08 Dez 2004 by indys

In Wien tut sich einiges rund um Indymedia. Eine verstärkte Regionalisierung bei at.indymedia.org führt zu unregelmäßigen Treffen, das nächste am Do, 9. Dez 2004. Außerdem wird bald ein neues IMC eine eigene Webseite eröffnen: Vienna Indymedia. Davor wird diskutiert: Am Mi, 15. Dez. 2004 im Que(e)r-Beisl im EKH.

Der Vollständigkeit halber sollte noch erwähnt werden, dass das globale Indymedia-Netzwerk kürzlich fünf Jahre alt wurde.

Inhalt: - Indymedia Treffen in Wien - Diskussionsveranstaltung - Open Publishing und Zensur - 5 Jahre Indymedia

Indymedia Treffen in Wien

Nach dem Neustart Prozess von at.indymedia.org, der sich über Frühjahr/Sommer 2004 erstreckte, kam es zu einigen Veränderungen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Dadurch, dass sich jeweils mehrere Leute aus verschiedenen Städten aktiv beteiligen, kommt es neben den - im vergangenen Jahr sehr zahlreichen - bundesweiten Treffen nun unregelmäßig zu lokalen Treffen in Salzburg, Linz und Wien.

So fanden im Rahmen des Neustarts einige Treffen statt. Und zu zwei weiteren Treffen, seit die Seite am 13. August 2004 wieder online gegangen ist. Das nächste findet am Donnerstag, 9. Dezember 2004, um 19:00 Uhr in der Arena (Baumgasse 80, 1030 Wien) statt.

Mehr zu den Treffen hier.

Diskussionsveranstaltung

Am Mittwoch, 15. Dezember 2004 findet im Rahmen des Que(e)r Beisls im EKH eine Diskussionsveranstaltung statt. Das neu gegründete vienna.indymedia.org, dass 2005 online gehen will, stellt dabei Zensur in einer unfreien Gesellschaft zur Diskussion: Was ist Free Speech?

"Sollen linke Medien ihren Nutzer/innen Zugangsbeschränkungen auferlegen? Sind "positive Diskriminierung" und "free speech" Widerspruch oder wechselseitige Bedingung? Was ist "Zensur"? Kann davon bei linken Medien überhaupt geredet werden? Ist "Zensur"freiheit ein Wert für sich oder ein "liberales" Konstrukt? Führt "Zensur"freiheit auch automatisch zu einer freieren Gesellschaft oder täuscht sie diese (unter Ausblendung des sozialen Hintergrunds der Nutzer/innen) nur vor? Inwieweit sind Herausgeber/innen oder Macher/innen für ihre Nutzer/innen verantwortlich? Aktivist/innen von verschiedenen linken Medienprojekten geben über ihren Zugang zu dieser Problematik Auskunft."

Info zur Diskussionsveranstaltung | flyer (pdf) | Que(e)r Beisl | EKH

Open Publishing und Zensur

In der Diskussion rund um at.indymedia entstanden einige Texte, die sich mit der Frage von Zensur und Open Publishing auseinandersetzen. Eine Diskussionsveranstaltung im Rahmen eines bundesweiten Treffens führte in der Folge zum Neustart von at.indymedia.org. Zentral war dabei das Aufbrechen der starren Rolle von MedienkonsumentInnen?, die gleichzeitig MedienmacherInnen? sind und ihr Medium selbst aktiv mitgestalten.

"Open Publishing geht davon aus, dass die UserInnen? geistreich und kreativ sind, dass sie SchreiberInnen?, RedakteurInnen?, VerteilerInnen? und vielleicht sogar ProgrammierInnen? sein wollen. Dabei wird den LeserInnen? unterstellt, dass sie Müll von guten Beiträgen unterscheiden können und fähig sind, sich selbst ein Urteil zu bilden, sowie selbst zu entscheiden, welche Informationen für sie jetzt bestätigt sind und bei welchen es sich um Gerüchte handelt. In den Prozess der Meinungsbildung kann mit Kommentaren, Ergänzungen, eigenen Berichten usw eingegriffen werden. Information ist immer subjektiv und die Entscheidung, ob eine Information wert ist, gelesen zu werden oder nicht, bleibt den UserInnen? überlassen.

Aus dem Newswire werden nur doppelte oder kommerzielle Postings, Spam oder Beiträge, die gegen die Editorial Policy (Redaktionskriterien) verstoßen, entfernt. Diese bleiben jedoch weiterhin im Bereich der versteckten Artikel einsehbar. Der Newswire wird von den ModeratorInnen? betreut. Da nicht immer alle Beiträge von den ModeratorInnen? gelesen werden (können), ist es notwendig, dass sich die UserInnen? an diesem Prozess beteiligen und - u.a. über Kommentare oder auf der Mailingliste - auf Verstöe gegen die Editorial Policy hinweisen. Die UserInnen? können redaktionelle Entscheidungen von anderen einsehen oder sich selbst an eben diesen beteiligen."

Im letzgenannten Punkt unterscheiden sich die Herangehensweisen von at.indymedia.org und dem im Entstehen begriffenen vienna.indymedia.org. Während einerseits (siehe oben) die Entscheidungen möglichst transparent sein sollen, soll im anderen Fall die Nachvollziehbarkeit von redaktionellen Entscheidungen merklich eingeschränkt werden. Es gilt laut Moderationskriterien "eine, als politisch verstandene, emanzipatorische Nutzung von Medien (zu) fördern." Eine Struktur soll "den unterschiedlichen Bedürfnissen von verschiedensten Menschen und politischen Ansätzen möglichst nahekommen" und "zur Benutzbarkeit der Seite beitragen". Dazu wird es eine Startseite und eine eigene Open Posting Seite geben - ähnlich wie bei de.indymedia.org. Kommentare sollen danach beurteilt werden, ob sie eine inhaltliche Ergänzung darstellen.

Grundsätzlich gilt: "Erfüllt ein Beitrag oder eine Ergänzung eine oder mehrere der folgenden Ausschlusskriterien, werden sie ganz von der Open Posting Seite entfernt und in ein spezielles 'Müllarchiv' abgelegt, da wir solchen Beiträgen kein Forum bieten und die Lesbarkeit der Seite gewährleisten wollen. (...) Das 'Müllarchiv' ist nicht öffentlich einsehbar. Der Transparenz halber wird dieses Archiv jedoch auf Anfrage per Mail zugeschickt."

Vienna Indymedia geht es bei diesem Vorgehen vor allem um positive Diskriminierung. Zensur als solches wird in Frage gestellt: "Kann davon bei linken Medien überhaupt geredet werden?"

In der Diskussion um den Neustartprozess von at.indymedia.org wurden noch andere Aspekte zur Diskussion gestellt, die nicht aus dem Auge verloren werden sollten.

"Es gibt den Vorschlag auf ein System, nach dem Vorbild von de.Indymedia umzusteigen. Dies bedeutet, dass Artikel, die keine Berichterstattung im Sinne der Editorial Policy darstellen nicht auf der Startseite, sondern nur auf einer Open Publishing Seite erscheinen. Damit soll Inhalten wie z.B. selbstgeschriebenen Berichten, Radiobeitrgen, Videos und Fotos verstärkte Aufmerksamkeit verschafft werden. Einige von uns lehnen die - an uns gestellte - Forderung nach einer Vorselektion durch ModeratorInnen? als Antwort auf die Probleme ab. Dies wäre eine Verschrfung der Zensur die keine Garantie gibt, das Erscheinen von diskriminierenden und/oder diffamierenden Texten zu verhindern, und auerdem mit dem Open Publishing Konzept als solches in Konflikt steht."

Angesichts dieser unterschiedlichen Herangehensweisen und der Teilnahme von AktivistInnen weiterer unabhängiger, nichtkommerzieller Medien kann eine spannende Diskussion erwartet werden.

Als Lektüre empfohlen:

- Seite zur Diskussionsveranstaltung - Texte zum Neustart von at.indymedia.org - Diskussion in der Schweiz: Indymedia einfrieren? - Feature: Freitag der 13.08.04: at.indymedia.org goes online! - Indy-Flötenspiellager in Bregenz voller Erfolg?

5 Jahre Indymedia

Bei all diesen lokalen Diskussionen und Auseinandersetzungen sollte nicht vergessen werden zu erwähnen, dass das Indymedia Netzwerk nicht nur wächst, sondern auch älter wird. Vor 5 Jahren, im November 1999, ging die erste Indymedia Seite in Betrieb.

Features zum Geburtstag gibts u.a bei de.indymedia.org und www.indymedia.org.

-- RudiRatte - 02 Jan 2005

-- FollowtheWhiteRabbit - 07 Feb 2005
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