Brasilien
Tausende Familien auf der Suchen nach einem Zuhause

Tausende Familien in Sao Paulo kämpfen Tag für Tag um das zu erreichen, was ihnen rechtlich zu steht. Was ihnen nicht nur die Brasilianische Verfassung garantiert, sondern ihnen auch im Angesicht der Menschenrechte nicht abgesprochen werden kann. Rechte wie eine Unterkunft, Essen, Gesundheit und Würde.

Besetzung

Am 27. Juli 2002 besetzten 400 Familien, aus allen Stadtteilen São Paulo's, ein großes Gelände im reichen Teil von Osasco, gleich neben einem Golf Platz und den luxuriösen Eigentumswohnungen.

Das Gelände ist 50 Hektar groß und hat vier Besitzer. Einer davon ist die Firma Grama hinter der eine reiche Familie namens Matarazzo steht.

Bisher wurde das Gelände als Müllhalde, Schrottplatz oder als Ort genutzt um Leichen zu deponieren.

Osasco ist ein Stadtteil von São Paulo, ein Industriezentrum das heutzutage überfüllt ist mit Einkaufsmeilen und grossen Supermärkten wie Wal*Mart aus den USA.

In den Vorstädten von São Paulo und auch in den Slums von Osasco leben tausende von Familien unter furchtbaren Bedingungen, ohne Job und ohne jeglichen Anreiz, oder Hoffnung auf eine Lösung. Ursache dafür ist, dass die Regierung sich nicht um Lösungen für die Wohnungs- und Arbeitslosigkeitsprobleme bemüht.

Weitere Bilder vom 1., 2. und 5. August 2002

Organisation

Die Anzahl der Familien stieg schnell an, und in wenigen Tagen wurden aus 400 4000. Innerhalb von ein paar Wochen hatten sich die Familien selbst in Gruppen (etwas 200) organisiert, jede dieser Gruppen mit etwa 20 Zelten.

Eine Gemeinschaftsküche wurde eingerichtet die jeden Tag Frühstück und Mittagessen für die Familien bereitstellt. Zudem wurde eine Apotheke eingerichtet, die als Platz zur Ersten Hilfe für die Familien dient. Und es gibt auch ein Sekretariat um die Organisation zu erleichtern und das zugleich als Anlaufpunkt zur Orientierung und für die neusten Infos von und über das Camp dient (über die Verhandlungen mit den Pächtern und der Stadtverwaltung).

Hier wurde auch ein offizielles Verzeichnis erstellt. Der Grossteil der Familien kommt aus dem Nordosten Brasiliens, arbeitslose Familien die in den Slums lebten oder bei Bekannten/Freunden unter gekommen waren und es gibt auch noch eine kleine Gruppe von BolivianerInnen.

Die meisten dieser Einwanderer kamen nach Sao Paulo auf der Suche nach einen Job und besseren Lebensbedingungen und endeten auf der Strasse oder als Sklaven in den illegalen Fabriken.

Weitere Bilder vom 23. August 2002

Verhandlung

Am 28. Juli 2002 wurde die Petition für die Wiedereingliederung des Geländes gestellt und am 30. eine Vereinbarung zwischen den Besetzern und der Stadtverwaltung getroffen. Es sollten erst Verhandlungen mit den Besitzern des Geländes aufgenommen werden, bevor die Polizei eingeschaltet wird.

Am 2. August 2002 umzingelte die Militär-Polizei das Gelände mit hunderten von Beamten des Sondereinsatzkommandos und drohte mit der Räumung der Familien. Dank weiterer Verhandlungen mit der Stadtverwaltung verliess die Polizei das Gelände ohne dass es zu Verletzten kam.

Im Zuge dieser Verhandlungen konnten die heimatlosen Arbeiter die Wiedereingliederungs Petition aufrecht erhalten.

Am Montag den 19. August 2002 lief die Frist für die Reintegration Petition ab - mit einer weiteren Vereinbarung hat die Bewegung weitere 48 Stunden Zeit bekommen.

Diese neue Frist wurde von Richterin Anelise Soares (Vara CÃ-vel 3, Osasco) gebrochen, die sagte, dass die Polizei eingreifen und das Gelände räumen darf. Dazu kommt noch die Erlaubnis für einer Räumung am 21. August um 3 Uhr morgens (in Brasilien ist das jedoch illegal, Menschen zwischen 18:00 und 6 Uhr morgens zu räumen).

Durch die Polizeiverhandlungen bekam die Bewegung eine Frist bis zum 21. August 2002 00:00 Uhr. Jedoch ging bis zum 21. August 2002 16:00 Uhr von der Polizei keine Bemühung aus, die Menschen zu vertreiben. Sie umstellten lediglich das Gelände.

Die Situation in Osasco war sehr heikel, da das Camp aus 4000 Familien besteht, so dass wir von 8000 Kindern und Jugendlichen ausgehen können. Jedes Einschreiten der Militärpolizei hätte in einem Massaker enden können.

Vom 2. auf 4. Dezember veranstalteten die Heimatlosen des besetzten Gebietes einen Marsch zum Palast von Baneirantes (Palácio dos Bandeirantes - Regierungsbüro). 1000 Menschen schlossen sich dem Protestzug an. Die Heimatlosen bekamen eine Anhörung und wurden informiert, dass die Verhandlungen abgeschlossen sind und die Räumung nächsten Donnerstag den 5. Dezember 2002 stattfinden wird. Daraufhin kampierten Sie in Protest vor dem Sitz der Regierung von São Paulo.

Am Donnerstag den 3. Dezember, demonstrierte ein Zug von über 200 Heimatlosen zum Palast von Bandeirantes um das Camp der Heimatlosen zu unterstützen.

Einigung

Nach Monaten der Verhandlung willigte die Koordination der Heimatlosen und die Staatsregierung São Paulo einer friedlichen Aufgabe bei, indem sie das besetzte Land aufgaben und gegen das Land, das zur Stadt Guarulhos (auch nahe São Paulo) gehört, tauschte.

Umsiedlung

Im Laufe des Donnerstags den 5. Dezember 2002 beschwerten sich die Heimatlosen über das Wegbleiben von Wagen und Bussen, die sie zu diesem Land transportieren sollten. Traktoren rollten über ihre Häuser (die sie auf dem besetzten Land gebaut hatten, bevor die Habseligkeiten der Bewohner sie entfernen konnten. Es herrschte Entrüstung unter den Besetzern. Mitarbeiter des Rathauses schienen sich mit der Zerstörung der Häuser gut zu fühlen.

Am Freitag, den 6. Dezember räumten die 2000 heimatlose Familien das Land in Osasco, und kämpften um ein Stück Land von der CDHU-Companhia de Desenvolvimento Habitacional e Urbano de estado de São Paulo (Wohnungsbaugesellschaft und städtische Entwicklung des Staates São Paulo), in Guarulhos.

Als die ersten von mehreren hundert Wagen das ihnen zugesicherte Land erreichten, die die Familien von Osasco nach Guarulhos brachten, verbot ihnen die Kommunalgarden das zugesprochene Land zu betreten. Ein Auftrag des Bürgermeisters Elói Pietá (PT-Arbeiterpartei). Er verlangte, dass die Familien daran gehindert werden sollten, das Land zu getreten. Die Kommunalgarde hob einen Graben aus, um die Wagen daran zu hindern auf das Land zu gelangen.

Währenddessen mussten die Heimatlosen im Regen am Straßenrand warten. Unter anderem behauptete Pietá, wäre das Rathaus nicht davon in Kenntnis gesetzt worden, dass diese Menschen in diese Region um ziehen sollten (was den Staat betreffe und nicht nie Stadt). Er meinte, die Stadt sei pleite und hätte nicht die Möglichkeiten noch mehr Einwohner auf zu nehmen.

Der Staatliche Justizminister sollte dem Bürgermeister überzeugen, den Familien das Land zu überlassen. Nur, als der Minister damit drohte die Schocktruppen gegen die Kommunalgarde ein zu setzen erlaubte Pietá den Familien den Eintritt in diese Region.

Aufgrund der Räumung und dem stundenlangen warten im Regen, haben viele Familien ihr Hab und Gut verloren.

Weitere Bilder der Räumung vom 5. Dezember 2002

Heimat ?

Auf dem CDHU Land gibt es weder Licht noch Abwasserleitung oder Wasser (ausser einer Rohrleitung) und wie die Stadtverwaltung inzwischen bekannt gegeben hat, ist das Land Industriell verseucht. Weitere Umsiedlungen in kleinen Gruppen sind von der Stadt geplant.

Weitere Bilder aus Guarulhos vom 7. Dezember 2002

Die Familien brauchen Spenden, vor allem Nahrung. Menschen, die daran interessiert sind zu helfen, oder mehr Informationen über die Heimatlosen zu erhalten sollten mit Alex in Kontakt treten unter: Brasil City Code 11 #95682365.

Topic revision: r8 - 10 Mar 2005, SkeP
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