Globaler Aktionstag von Frauen am 8. März 2003

die entrechteten kennen die wahrheit am besten
denn sie spüren sie am eigenen leibe
tag und nacht ihres leidens
die meisten kriege führen die brüder
die schärfsten schwerter schmieden die schwestern

may ayim

Am 8.März, der von Clara Zetkin zum Internationalen Frauentag erklärt wurde, werden wieder überall auf der Welt Frauen auf die Straße gehen, um für ihre Rechte zu kämpfen. Weltweit haben sich Frauen zum Protest zusammengeschlossen und gemeinsame Forderungen aufgestellt.

  • Wir sagen Nein zu Krieg und Gewalt gegen Frauen.
  • Wir wollen keinen Krieg.
  • Wir wollen keine frauenfeindliche Ungerechtigkeit und Politik!

Der weltweite Protest an diesem Tag richtet sich aber nicht nur gegen Krieg, auch wenn dieses Thema in diesem Jahr eine große Stellung innehat. Ebenso werden Themen wie die Rolle der Frauen, das Schönheitsideal dieser Gesellschaft, Frauen in der Geschichte, Gewalt gegen Frauen und das Geschlechterverhältnis thematisiert und für verschiedenste Aktionen aufgegriffen. Die Rolle der Unterscheidung von sex und gender was sich nur annähernd mit biologischem, chromosomalem und sozialem Geschlecht übersetzen lässt, spielte und spielt in der Frauenbewegung eine große Rolle, denn so konnte gezeigt werden, dass die Zuschreibungen zu den Geschlechtern soziale, und vor allem auch historische Produkte sind, die der Organisation und (Re)produktion kapitalistischer Lebens- und Produktionsweise dienen, und keine biologische und feststehende Kategorien sind. Zudem wollen wir diesen Tag dazu nutzen, Frauen aufzufordern mehr bei indymedia mitzuarbeiten. Nur durch mehr schreibende, recherchierende, erörternde Frauen kann auch mehr von Frauen auf der Seite stehen.

Werdet kreativ im Netz, äußert euch und bedenkt, gerade auch ihr Frauen im virtuellen Raum: "Eure Tastatur ist eine Waffe".

Links und Termine

Internationaler Streikaufruf

Die Leichenberge und Menschenopfer für den patriarchalen Moloch des Kapitals wurden seit 1908 immer gigantischer. Und wieder steht die Welt inmitten eines gigantischen Krieges. Der Krieg ist der Meister der Zivilisation und wird von uns allen durch unsere Arbeitskraft und Steuern, die wir zahlen, "gefüttert". Es wird höchste Zeit, diese Welt anzuhalten und zu ändern!

Deshalb rufen die weltweit vernetzen Frauen dazu auf, sich den globalen Militäretat zurückzuholen.

Hier die Streikforderungen, sie richten sich an alle Regierungen:

  • Entlohnung für alle Plege- und Hausarbeit - durch Löhne, Renten, Land oder andere Mittel. Was ist wertvoller als die Erziehung der Kinder und die Fürsorge für andere? In das Leben und in die Wohlfahrt muss investiert werden, nicht in Rüstung, Militär und Gefängnisse.
  • Gleiche Bezahlung auf dem Weltmarkt für alle, für Frauen und Männer gleichermaßen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.
  • Nahrungsmittelsicherheit für stillende Mütter, bezahlten Mutterschaftsurlaub, entlohnte Stillpausen. Hört auf, uns für unser Frausein zu bestrafen!
  • Zahlt keine "Dritte Welt" Schulden ab. Frauen schulden nichts. Sie schulden uns.
  • Zugang zu sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung, Wohnraum, Transport, Bildung.
  • Umweltfreundliche Energie und Technologie, die die Stunden, die wir arbeiten, verkürzen. Wir brauchen alle einen Herd, Kühlschraenke, Waschmaschinen, Computer, & Freizeit!
  • Schutz und Asyl vor jeglicher Gewalt und Verfolgung, egal ob sie von Familienangehörigen oder von Menschen in Autoritätspositionen ausgeht.
  • Bewegungsfreiheit. Das Kapital bewegt sich frei, warum also nicht auch Menschen?

In den letzten Monaten wurde die Grundforderung des Streiks auf Rückzahlung der Militärhaushalte von allen möglichen Menschen in der dritten Welt und in den industrialisierten Ländern aufgegriffen. Sie waren sich einig, dass selbst das Drohen mit Krieg einen Angriff auf alles Leben auf dem Planeten bedeutet. Das beginnt mit Müttern, die Zugang zu sauberem Trinkwasser, Essen und Sozialunterstützung verlangen, Kriegsveteranen, die wie Millionen andere Menschen bitter den Zugang zu Gesundheitsversorgung brauchen, und geht weiter zu Lohnabhängigen, die durch den Verlust ihrer Arbeitsplätze jede Überlebensmöglichkeit verlieren, bzw. gegen Unterbezahlung und Überstunden kämpfen. Zu Menschen mit Behinderungen, Rentner mit zu kleinen Renten, um in Würde leben zu können, Kindern, denen selbst die Grundschule vorenthalten wird und mittellosen Studenten und Obdachlosen... Alle zeigen vorwurfsvoll auf die über 900 Milliarden jährlicher weltweiter Rüstungsausgaben und fragen: WARUM KOMMEN DIE BEDÜRFNISSE DES MILITÄRS VOR UNSEREN GRUNDBEDÜRFNISSEN?"

Wir sagen Nein zu Krieg und Gewalt gegen Frauen. Wir wollen keinen Krieg und wir wollen keine frauenfeindliche Politik und Ungerechtigkeit!

Mehr Infos zum Streikaufruf

"I am beautiful - das Schönheitsideal in der Gesellschaft"

Es ist wichtig, dass das, was in dieser Gesellschaft als erstrebenswertes äußeres Erscheinungsbild angesehen wird, hinterfragt wird. Es geht darum, auf eine scheinbare "Norm(alität)" hinzuweisen, die Frauen bewusst oder unbewusst bestimmten Zwängen unterwirft, die in unserer Gesellschaft nicht oder kaum hinterfragt wird und die uns ein Bild von richtigen und falschen, schönen und hässlichen, attraktiven und abstoßenden Körpern zeichnet.

Was als schön, attraktiv und richtig bewertet wird, sind weibliche Körper, die bestimmten Idealmaßen gerecht werden. Wir schlagen die Zeitung auf, schalten den Fernseher an oder laufen einfach nur durch die Straßen einer Stadt - beständig sind sie da, als Werbemotiv auf Litfasssäulen oder in Schaufenstern der Einkaufspassagen: Frauenkörper, die uns zum einen zeigen sollen, wie wir auszusehen haben, zum anderen knapp bekleidet der Beflügelung der männlichen Phantasie dienen. Nahezu ausschließlich sind Frauen abgebildet, die den vorher bereits angesprochenen Idealmaßen entsprechen und wir wollen nicht bestreiten, dass es weibliche Körper gibt, die diesem Bild entsprechen - schlank, langbeinig, sowie mit bestimmter Brustgröße und Gesichtszügen. Aber so sehen nicht alle Frauen aus. Es gibt große und kleine Körper, unterschiedliche Brustformen und Gesichtszüge, Menschen, die mehr, andere die weniger wiegen; die Verschiedenheiten sind vielfältig und tragen ebenso wie beispielsweise Charaktereigenschaften oder der Klang der Stimme zur Einzigartigkeit einer jeden Frau bei. Diese Individualität ist wichtig und macht einen Teil vom Wesen der Menschen aus.

Individualität darf keinen wertenden Kategorien unterliegen, die sich an einem regelrechten Zwang zur genormten Attraktivität orientieren. Doch gerade das ist gesellschaftliche Realität, die tief in uns und in unserem Alltag verwurzelt ist. Frauen lernen, sich an einem bestimmten Schönheitsideal zu messen um den Männern im Umfeld, in dem frau sich bewegt zu gefallen statt zu lernen, den eigenen Körper so zu lieben, wie er ist. Früh wird Frauen beigebracht, was als schön oder hässlich gilt und um schön zu sein übernehmen Frauen die ihnen zugedachten Modetrends, muten sich Diäten und Schlankheitspillen zu, die der Wirtschaft einen Profit in Millionenhöhe garantieren und die Frauen weiter von sich selbst entfremden. Das ständige Ziel ist die Anpassung an die herrschende Norm, die Anpassung der Individualität und Körper an ein künstliches, optisches Maß der Dinge, das Andersartigkeit nicht zulässt. Die Folgen dieser Unfreiheit sind Unsicherheit und permanente Unzufriedenheit mit sich selbst, Selbstverleugnung und Versagensängste, Essstörungen und körpörliche Erkrankungen.

Durch die Schaffung und Anerkennung eines weiblichen Schönheitsideals ist eine Situation entstanden, in der Frauen mehr Objekt als Individuum sind. Darüberhinaus wird ausgelacht, verspottet und nicht respektiert, was der "Norm(alität)" nicht zu entsprechen scheint.

Einhergehend mit einem genau definiertem Bild von äußerlicher Attraktivität greifen auch noch andere Ausgrenzungsmechanismen, die beispielsweise sogenannte "behinderte" sowie alte Frauen betreffen oder allgemein diejenigen, die sich nicht in das Schema attraktiv = leistungsfähig = wirtschaftlich verwertbar einfügen.

Die Frage ist, warum dies so geschieht, warum kategorisiert und ausgegrenzt wird, warum genormte Körperhüllen erwartet und Frauen auf diese reduziert werden, was für und weshalb bestimmte Assoziationen damit einhergehen und inwiefern Frauen zu ihrer gesellschaftlichen Rolle erzogen werden - einschließlich allem was dazu gehört.

...und warum die Rollenaufteilung und das Bild der Frauen selbst in der "linken Szene" derart festgefahren ist.

Frauen in der Geschichte

Jede Frauengeneration gewinnt im laufe ihres lebens und aufgrund ihrer eigenen Lebensumstände erkenntnisse über die Unterdrückung, weil aber diese erkenntnisse nicht zum allgemeingut der Kultur werden gelangen sie nicht in die nächste Generation mit dem ergebnis, dass weder Frauen noch Männer etwas über die Frauen wissen die vor ihnen gelebt haben.

In der heutigen Gesellschaft spielt vor Allem die modernere Geschichte eine Rolle, der Teil also, der von Männern dominiert wird. Alles davor wird nach Möglichkeit vergessen und verschwiegen. Aber das ist nicht genug. Selbst innerhalb dieser von Männern dominierten Geschichte werden Frauen, die für ihre Zeitgeschichte relevant waren, zusätzlich vergessen und verschwiegen. Dass hierbei auch die ganz normale, alltägliche Geschichte aller anderen Frauen unter den Tisch fällt ist logisch. So wird der Alltag von Frauen und Familien in Geschichtsbüchern selten erwähnt. Genausowenig spielen die vielen Frauen, die sich schon vor hunderten von Jahren für Rechte von Frauen stark gemacht haben eine Rolle. Selbst wenn die Frau "nur" politisch aktiv war, ohne sich speziellen Frauenthemen zu widmen, wird sie eher verschwiegen als erwähnt. Sollte die Frau dann doch so großes bewirkt haben, dass es nicht zu übersehen war, wurden die Ideen von Männern übernommen und als eigene ausgegeben oder aber der Frau wurde schnell ein männlicher Mentor an die Seite gestellt.

All das klingt irgendwie wie Gedankengut von vor hundert Jahren, doch noch heute ist es so, dass viele Menschen, gerade Männer, überhaupt nichts von der Existenz dieser aktiven Frauen wissen. Doch es ist wichtig sich damit zu beschäftigen gerade auch für Frauen, denn aus dem Hintergrund dieses Jahrhunderte alten Frauenkampfes lässt sich die Kraft schöpfen diesen Kampf weiterzuführen.

Informationen zu den Wurzeln der Frauenbewegung im 19. Jahrhundert.

Termine

Aktionen am 8. März

Infos

Hier gibts 30 Minuten Audio-Stream zum Thema Krieg.

Hier ist der Flyer zur Party in einem seit sieben Jahren
von Frauen besetzten Haus in Madrid: "Feiern wir die Räume von, für, mit Frauen!"

FIRE (Feminist International Radio Endeavour) das "erste Frauen-Internet-Radio"
sendet Live-Stream bereits am 7. März ab 14 Uhr GMT (also 15 Uhr in der BRD).

Von FIRE ein Live-Stream Interview mit Marge Taniwaki (Aktivistin und Überlebende der US Internierungslager des 2. Weltkriegs in Japan).

Coalition of Women for Peace Israel-Palestine 2003

Der Text des Plakates heisst:

"Wählt nicht den Krieg!!", "Nein zur Gewalt", "Es ist in unseren Händen", "Eure Stimme ist ein Samen für den Frieden", "Für Frauen- und Menschenrechte, soziale und ökonomische Rechte, Frieden und Würde".

Der Text des Plakates ist auf Hebräisch und Arabisch. Das Bild stellt zwei säende Pionierinnen dar. Es wurde zwei Wochen vor den Wahlen im ganzen Land aufgehängt.

Links

Topic revision: r3 - 10 Mar 2005, SkeP
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