Mikrofone f\xFCr 10 Euro selberbasteln

Wer als Medienaktivist richtig produktiv sein m\xF6chte braucht irgendwann technische Ausr\xFCstung, die auch was hermacht. Leider scheitert der Aktivismus des Einzelnen h\xE4ufig schon an den Anschaffungspreisen f\xFCr das entsprechende Equipment (Laptops, Videokameras, Digitalkameras, usw.).

Dass es aber auch anders geht und man auf hochwertige Produktionsmittel nicht verzichten muss, ohne dabei grossen finanziellen Aufwand zu haben, m\xF6chte diese Anleitung zum Mikrofon-Eigenbau beweisen.

Die hier vorgestellten Mikrofone haben sich in der praktischen Anwendung schon bew\xE4hrt und wurden unter anderem f\xFCr die Aufnahme zahlreicher Audio-Beitr\xE4ge auf Indymedia verwendet.

Ein H\xF6rbeispiel von einem dieser Mikrofone liegt der Anleitung unten bei.

00-mikros-fertig-vorne.jpg

Zuerst ein paar grundlegende Infos dar\xFCber, was ein Mikrofon \xFCberhaupt ist:

Ein Mikrofon ist eigentlich nichts weiter als eine Membran, ein kleines Fell, das in eine Mikrofonkapsel eingebaut ist. Diese Membran wird durch akkustische Schwingungen in der Luft zum Vibrieren gebracht und \xFCbertr\xE4gt diese Vibrationen in elektrische Schwingungen. Diese elektrischen Schwingungen werden \xFCber einen Leiter (z.B. ein Kupferkabel) in ein Aufnahmeger\xE4t wie einen MiniDisc-Rekorder geleitet und dort auf einem Datentr\xE4ger gespeichert, z.B. eine digitale MiniDisc.

Wenn man sich die gespeicherten Toninformationen anh\xF6rt wird dieses Prinzip einfach nur umgekehrt: die digitalen Daten von der MiniDisc werden analog gewandelt und als elektrische Schwingungen/Impulse durch einen Leiter an eine Kopfh\xF6rer- oder Lautsprechermembran geleitet. Dort versetzen sie diese in eine Vibration, die akkustische Schwingungen in der Luft erzeugt. Diese Schwingungen treffen auf das menschliche Ohr und das ist dann das Tonsignal das man letztendlich h\xF6rt.

Eigentlich recht banal.

Mikrofone sind prinzipiell Mono, d.h. sie \xFCbertragen nur einen Audio-Kanal und nicht zwei (Stereo). M\xF6chte man Stereomikrofonie machen, z.B. beim Film oder bei der Aufnahme von Musikinstrumenten, dann werden in der Regel zwei Mikrofone verwendet. Sogenannte "Stereomikrofone", die man sich f\xFCr teuer im Laden kaufen kann bringen nichts und sind in der Regel nichts weiter als eine billige Konstruktion mit zwei seitlich angebrachten Mikrofonkapseln. Richtige Stereoqualit\xE4t wird damit nicht erreicht, sofern die Stereo-Charakteristik dieser Mikrofone \xFCberhaupt funktioniert.

Mikrofone m\xFCssen mit einer Grundspannung versorgt werden, die von einer Batterie oder einem Endger\xE4t kommt. Unser Mikrofon wird ohne Batterien funktionieren, aber daf\xFCr nur an Ger\xE4ten, die ausreichend Spannung liefern (ben\xF6tigt werden etwa 3-5 Volt). Das sind z.B. MiniDisc-Rekorder, Mikrofon-Vorverst\xE4rker (mit \xFCblicherweise 48-Volt-Phantomspannung, wenn eingeschaltet) oder entsprechend umger\xFCstete Mixer, die urspr\xFCnglich keine Phantomspannung bereitstellen. Die Spannung die an den Mikrofoneingang normaler Tape-Decks (also Kassettenrekorder) oder Stereoanlagen geht reicht daf\xFCr normalerweise nicht aus. Die Mikrofoneing\xE4nge von PC-Soundkarten liefern ebenfalls ausreichend Spannung.

Weil sich aber vor allem MiniDisc-Rekorder sowieso als Standard f\xFCr den Audio-Journalismus f\xFCr unterwegs etabliert haben und f\xFCr den Medienaktivismus bestens geeignet sind, werden wir uns ein Mikrofon f\xFCr diesen Anwendungsbereich basteln. Daf\xFCr sind keinerlei elektrotechnische Grundkenntnisse erforderlich und die Handhabung ist unbedenklich, weil nur mit Niedrigspannungen gearbeitet wird.

Wem die folgende Anleitung dennoch zu kompliziert oder zu aufwendig ist, f\xFCr den gibt es unten nochmal eine Zusammenfassung f\xFCr ein vereinfachtes Modell. Aber weil unser Mikro optisch und handhabungstechnisch etwas hermachen soll besch\xE4ftigt sich die Anleitung haupts\xE4chlich mit der Konstruktion des Mikrofonstabes und der Kombination mit einem XLR-Adapter der daf\xFCr geeignet ist das Mikrofon auch in entsprechende XLR-Anschl\xFCsse zu stecken, z.B. Preamps (Vorverst\xE4rker) und Mixer. Ausserdem dient der XLR-Adapter als geeigneter Griff.

Und los gehts!

Wie das Mikro am Ende funktionieren soll:
1. Eine kleine xxxx-Elektret-Mikrofonkapsel wird mithilfe von Schrumpfschl\xE4uchen am Ende eines hohlen Aluminiumstabes befestigt.
2. Ans andere Ende des Stabes wird ein Standard-XLR-Adapter geschraubt; wenn man den hinteren Teil von diesem absteckt kann man das Mikrofon direkt in eine XLR-Buchse stecken, bzw. an ein XLR-Verl\xE4ngerungskabel.
3. Mikrofonkapsel und XLR-Adapter werden innerhalb des Aluminium-Stabes mit einem abgeschirmten Kupferkabel verbunden und entsprechend verl\xF6tet.
4. An den zweiten Teil des XLR-Adapters wird ein zweites Kupferkabel gel\xF6tet an dessen anderem Ende sich ein Standard-Stereo-Klinkenstecker befindet (damit man das Mono-Signal nicht nur in einem sondern in beiden Kopfh\xF6rer-, bzw. Lautsprecherkan\xE4len h\xF6rt).
5. Der XLR-Adapter selbst soll dabei auch als Griff zum Halten des Mikrofons dienen.

01-schaubild.jpg

Was wir alles an Material brauchen:
(das meiste davon d\xFCrfte es im Elektrofachhandel geben, evtl. muss man auch im Baumarkt nachkucken)

  • Elektret-Kapsel (xx EUR)
  • Schrumpfschlauch, etwas gr\xF6sser im Durchmesser als Stab und Mikrokapsel, Durchmesser hier ca. 12mm; schrumpft auf 6mm (xx EUR)
  • hohles Aluminiumrohr, etwa im selben Durchmesser wie die Mikrokapsel (hier 6mm), kann aber auch etwas breiter oder d\xFCnner sein; die beiden werden per Schrumpfschlauch aneinander fixiert; viel wichtiger ist, dass das Aluminiumrohr ohne zuviel Feilarbeit in den XLR-Adapter am anderen Ende passt; wir verwenden Aluminium, weil es leicht und stabil ist - man k\xF6nnte auch ein Plastikrohr oder etwas \xE4hnliches verwenden. (xxx EUR)
  • etwas Zinn zum L\xF6ten
  • Standard XLR-Stecker, m\xE4nnlich und weiblich, 3-polig (siehe Abbildungen) (xxx EUR)
  • kleiner Standard Stereo-Klinkenstecker, 3,5mm (engl. "jack")
  • geschirmtes Kupferkabel, etwa 1.5m lang, m\xF6glichst leicht und d\xFCnn um die Bewegungen im Innern des Stabes zu verringern; bei einem Kabel mit zwei Tonadern (also mit rotem und weissem/schwarzem Kabel) kann man eines der farbigen Kabel herausziehen, da es nicht ben\xF6tigt wird. Die Abschirmung, also die losen Kupferdr\xE4hte drumherum m\xFCssen drinbleiben
  • evtl. ein kleiner Schaumstoff-\xDCberzug f\xFCr die Mikrofonkapsel als Wind und Plop-Schutz; notfalls Watte oder ganz ohne

02-material.jpg

03-mikrokopf.jpg

Dieses Werkzeug brauchen wir:

  • L\xF6tkolben
  • Scheere (Messer/Kabelzwicker)
  • Sekundenkleber (f\xFCr besseren Halt beim Anbringen des Schrumpfschlauchs)
  • Feuerzeug
  • Schraubenzieher
  • evtl. S\xE4ge f\xFCr das Zurechtschneiden des Aluminiumstabes (oder im Baumarkt vors\xE4gen lassen)
  • Feile, zum Gl\xE4tten der Kanten des Aluminiumstabes um Sch\xE4den am Kabel vorzubeugen und ggf. zum Zurechtfeilen des Adapter-Verschlussb\xFCgels

Schritt 1 von 2: Adapter und Klinkenstecker verkabeln/verl\xF6ten

Das komplizierteste gleich zuerst, damit wir's hinter uns haben. Wie zuvor erw\xE4hnt brauchen wir nur eine Tonader (also eine Leitung durch die ein Tonsignal fliesst), weil wir nur eine Mikrofonkapsel haben, also Mono. D.h. wenn wir ein Stereokabel haben k\xF6nnen wir eines der beiden farbigen Innenkabel herausnehmen (die sind meistens rot und schwarz oder weiss). Die losen Kupferdr\xE4hte drumherum sind die Abschirmung, bzw. die Masse, die zur Erdung ans Geh\xE4use der Kapsel und der Stecker gel\xF6tet werden. Wir werden zwei von diesen Mono-Kabelleitungen brauchen, einmal zwischen Mikrofonkapsel und XLR-Adapter und das andere zwischen XLR-Adapter und Klinkenstecker, welcher ins Endger\xE4t geht. (siehe Schaubild)

Das letztere wird man hinterher aussen sehen und man sollte es auf eine L\xE4nge schneiden die einem recht ist, z.B. einen Meter lang. L\xE4nger sollte es kaum sein. Das andere wird die L\xE4nge des Aluminiumstabes haben durch das es verl\xE4uft, aber man sollte es am besten etwas l\xE4nger bemessen und hinterher ggf. zurechtschneiden. Hinweis: dieses Kabel sollte man generell etwas l\xE4nger lassen als die Stabl\xE4nge, damit es innen etwas Spielraum hat und bei leichtem Ziehen nicht \xFCberbeansprucht wird. Ausserdem klappert es bei der Aufnahme weniger (normalerweise gar nicht), wenn sich das Kabel innen ein wenig gegen die Stabwand windet und dadurch etwas stabilisiert wird. Das Kabel sollte auch nicht zu dick sein, damit das Mikrofon sch\xF6n leicht bleibt, vor allem aber, damit nicht zuviel Gewicht an den L\xF6tstellen h\xE4ngt.

Nachdem man sich eine L\xE4nge f\xFCr den Mikrofonstab ausgedacht hat (z.B. 10-15cm, l\xE4nger sollte er nicht sein, nach Belieben auch k\xFCrzer) und diesen entsprechend zurechtges\xE4gt und an den Kanten (innen und aussen) glattgefeilt hat, dann kann man sich ein Kabel in dieser L\xE4nge, plus ein paar Zentimeter Spielraum abschneiden.

Jetzt trennt man den XLR-Adapter erstmal in seine beiden H\xE4lften. Der Adapter-Teil mit dem m\xE4nnlichen Stecker (3 kleine St\xE4bchen) ist derjenige, der hinterher am Mikrofonstab befestigt sein soll, die weibliche Adapter-H\xE4lfte (3 kleine L\xF6cher) wird am \xE4usseren Kabel mit dem Klinkenstecker dran sein. Indem man diesen weiblichen Adapter-Teil samt Kabel und Klinkenstecker abmacht kann man das Mikrofon mit dem m\xE4nnlichen Ende direkt an eine XLR-Buchse anschliessen. Hinweis: Es sollte nicht n\xF6tig sein, den Adapter andersherum anzubringen. XLR-Adapter m\xFCssten so genormt sein, dass man auf jeden Fall den m\xE4nnlichen Teil am Mikrofon befestigen kann. W\xFCrde man das weibliche Adapter-Teil ans Mikrofon montieren br\xE4uchte man ein gleichgeschlechtliches Verl\xE4ngerungskabel (m\xE4nnlich-m\xE4nnlich), um es in eine Buchse zu stecken. !!Leider wurden die beiden Adapter-H\xE4lften beim Fotografieren auf den Abbildungen 2a, 2b und 2c genau falsch herum hingelegt!!

Die beiden Geh\xE4use der Adapter-H\xE4lften nimmt man jetzt auch noch auseinander (entweder mit dem Schraubenzieher oder indem man den Gummi-Teil abzieht), so dass man die eigentlichen Adapter herausnehmen kann (Abbildungen 4a,b,c,d).

04-adapter.jpg

Und jetzt wird gel\xF6tet!

05-loeten.jpg

Die 3 L\xF6cher/St\xE4bchen sind genormt und jeweils durchnummeriert, auch auf der R\xFCckseite wo wir l\xF6ten. "1" und "3" werden bei uns die Masse, und an diese wird das Abschirmungskabel drangel\xF6tet und zwar so, dass sie miteinander verbunden sind. D.h. man nimmt ausreichend Drahtende und verl\xF6tet es erst mit einem der beiden St\xE4bchen und spannt den Rest r\xFCber zum anderen und verl\xF6tet dort ebenfalls (Abbildung 5b, leider etwas schlecht zu sehen). Hinweis: Beim L\xF6ten immer zuerst etwas Zinn in den Hohlraum der St\xE4bchen geben und auch den Draht zuerst "zwirbeln" und verzinnen, dann einfach aufeinander legen und mit dem heissen L\xF6tkolben kurz draufdr\xFCcken, bis sich die beiden vereinen.

Hat man die Masse an die St\xE4bchen "1" und "3" gel\xF6tet l\xF6tet man noch das "Heisse Bein", den Draht durch den das Tonsignal fliessen soll, an das St\xE4bchen mit der Nummer "2". In der Abbildung ist das der Draht mit der roten Ummantelung.

Halb so wild! Das gleiche macht man jetzt noch mit dem weiblichen Adapter-Teil und dem langen, \xE4usseren Kabel (leider kein Bild vorhanden). Dann f\xFCgt man die Adapter-Teile zusammen mit dem Kabel zur\xFCck ins Geh\xE4use ein und verschraubt das wieder so wie's vorher war. Jetzt sollte man zwei Adapter-H\xE4lften mit Kabel am jeweiligen Ende dran haben.

Als n\xE4chstes kommt der Klinkenstecker am Ende des Kabels mit dem weiblichen Adapter-Teil. Je nach Bauweise des Klinkensteckers kann das anders aussehen, aber es sollte nicht zu schwer sein zu erkennen wo man das Kabel dranl\xF6ten muss. Hinweis: Notfalls hinterher einfach nochmal auseinandernehmen und neu verl\xF6ten, solange bis Ton rauskommt smile

06-klinkenstecker.jpg

Da wir eine Stereo-Klinke haben, auf deren beide Kan\xE4le wir das Mono-Signal legen m\xF6chten, m\xFCssen wir die Tonader entsprechend an beide Metallst\xE4bchen oder W\xF6lbungen l\xF6ten, die im Innern des Steckers vorhanden sein sollten (bei einer Mono-Klinke er\xFCbrigt sich das). Das macht man \xE4hnlich wie bei der Masse am Adapter; also, man l\xF6tet das Kabel zuerst an ein St\xE4bchen und spannt gen\xFCgend Rest r\xFCber zum anderen. Oder man biegt die beiden St\xE4bchen zusammen und verl\xF6tet sie gemeinsam. Das Abschirmungskabel, also die Masse, wird gezwirbelt und ans Geh\xE4use des Klinkensteckers gel\xF6tet (der l\xE4ngliche B\xFCgel auf Abbildung 6, bzw. 7). Daf\xFCr m\xFCsste es ein kleines Loch im B\xFCgel geben, in den man das gezwirbelte Drahtb\xFCndel schieben kann. Auf der Unterseite l\xF6tet man das dann mit etwas Zinn fest. Danach zieht man das Gummi- oder Plastikgeh\xE4use des Steckers wieder dr\xFCber und voil\xE0!

07-klinke-fertig.jpg

Schritt 2 von 2: Anbringen der Mikrofonkapsel und Fertigstellung

Wir legen die fertige weibliche Adapter-H\xE4lfte mit Kabel und Klinke jetzt mal beiseite und widmen uns dem Mikrofonstab. Diesen m\xFCssen wir nun so in das offene Ende der m\xE4nnlichen Adapter-H\xE4lfte stecken, dass das Kabel durch ihn l\xE4uft, und vor allem so, dass er fest sitzt. Im hier vorgestellten Modell ist die \xD6ffnung des Adapters mit seiner Gummiummantelung so eng, dass man schon etwas Kraft aufwenden muss, um das Aluminiumrohr hineinzubekommen. Schmierseife kann helfen. Das Rohr sollte nicht zu weit in den Adapter reichen, um das Kabel und die L\xF6tstellen nicht zu besch\xE4digen, aber tief genug, dass es fest sitzt. Vielleicht 1 cm Abstand zwischen Rohrende und L\xF6tstellen.

Jetzt muss der B\xFCgel des Adapters noch festgeschraubt werden (Abbildung 8). Und hier k\xF6nnte es etwas fitzelig werden, weil der Gummi innen zusammen mit dem Alu-Rohr so dick geworden ist, dass man Probleme haben k\xF6nnte den B\xFCgel festzuschrauben. Notfalls muss man jetzt den kleinen Metallvorsprung, der standardm\xE4ssig auf der Innenseite des kleinen B\xFCgels sein sollte, mit einer Feile zurechtstutzen, solange bis der B\xFCgel festgeschraubt werden kann. Und keine Angst! - Lieber zu fest als zu locker. Das Ding soll w\xE4hrend des Interviews ja nicht auseinanderfallen...

08-mikrostab-adapter.jpg

Nun m\xFCssen wir noch die Mikrofonkapsel an das Kabel l\xF6ten, das am vorderen Ende des Mikrofonstabes heraush\xE4ngen sollte. Dazu muss man sich die Mikrofonkapsel einmal genau ansehen (Abb. 3b). Die Kapsel hat zwei St\xE4bchen, die man in der Draufsicht perspektivisch kaum sehen kann. Eines davon (die Masse) geht sichtbar an das Geh\xE4use der Kapsel (eine kleine silberne Linie an der Basis des St\xE4bchens). Das andere geht nach innen zur Membran.

Wir \xFCberpr\xFCfen jetzt nochmal die L\xE4nge des Kabels - zusammen mit der Kapsel sollte es vielleicht 1-2 cm aus dem Rohr herausragen, und man sollte es dann problemlos ins Innere des Rohrs hineinschieben k\xF6nnen. Wenn soweit alles OK ist dann wird gel\xF6tet: "Heisses Bein" (gemeint ist die Tonader, hier rot) an das St\xE4bchen, das zur Membran geht; den Abschirmungsdraht zusammenzwirbeln und an die Masse l\xF6ten, die ans Kapselgeh\xE4use geht. Hinweis: Eventuell muss man die St\xE4bchen der Kapsel mit einer Scheere etwas k\xFCrzer schneiden, damit es sich leichter l\xF6ten l\xE4sst, und das Ganze leichter ins Rohr geht.

09-mikrokapsel-rohr.jpg

Fertig? Dann befestigen wir das jetzt mit etwas handels\xFCblichem Schrumpfschlauch (der heisst so, weil er sich zusammenzieht wenn man ihn erhitzt), ein wenig Sekundenkleber und am besten mit einem Feuerzeug statt mit Streichh\xF6lzern wie auf den Bildern. Der Schrumpfschlauch sollte vorne ein klein wenig \xFCber den Rand der Mikrofonkapsel hinausschauen (1-3 Millimeter), damit er sie -wenn er sich zusammenzieht- etwas umschliesst. \xDCber dem Alu-Rohr sollten es 2-3 Zentimeter sein. Bevor man den Schlauch dr\xFCberst\xFClpt gibt man noch etwas Sekundenkleber auf das Alu-Rohr, f\xFCr zus\xE4tzlichen Halt, nachdem er sich zusammengezogen hat. Und jetzt wird's brenzlig! Jetzt nehmen wir n\xE4mlich unser Feuerzeug und erhitzen den Schlauch solange bis er sich komplett \xFCber Alu-Rohr und Mikrokapsel zusammenzieht. Dabei darf man ruhig etwas rangehen, so schnell f\xE4ngt die Kapsel nicht Feuer; notfalls, wenn der Stoff\xFCberzug vorne zu brennen beginnt, klopft man das einfach aus.

10-schrumpfschlauch.jpg

Und so sieht das aus wenns fertig ist:

11-mikrokopf-fertig.jpg

Nicht schlecht oder?

Wenn wir die beiden Adapter-H\xE4lften jetzt ineinander stecken und die Klinke in ein Endger\xE4t mit ausreichend Spannung, z.B. einen MiniDisc-Rekorder, dann sollte eigentlich was zu h\xF6ren sein.

Der Rekorder sollte auf "REC/recording" stehen, und kuckt nach ob die Aufnahmelautst\xE4rke weit genug oben ist. Wenn trotzdem nichts zu h\xF6ren ist, dann probiert mal etwas an den Steckern herum. Wenn es knackst und der Ton Aussetzer hat dann liegt das wahrscheinlich an einer schlechten L\xF6tung. Um auf Nummer sicher zu gehen k\xF6nnt Ihr den Ton nat\xFCrlich auch testen bevor ihr alles zusammenbaut, und auch w\xE4hrend dem Zusammenbauen testen. Ob die Mikrofonkapsel funktioniert k\xF6nnt ihr \xFCberpr\xFCfen, indem Ihr sie einfach an ein schon fertiges Kabel mit einem Klinkenstecker (z.B. von einem alten Walkman) dranl\xF6tet. Es spielt dabei keine Rolle, ob das Kabel von einem Kopfh\xF6rer oder von einem Mikrofon stammt.

Wenn Ton kommt, Gl\xFCckwunsch! Du hast soeben Dein erstes Mikrofon selbst gebaut und kannst auch gleich loslegen damit tolle Aufnahmen und Audiobeitr\xE4ge zu machen smile

Damit beim Aufnehmen Luft- und Spuckeger\xE4usche, die beim Sprechen oder beim Bewegen des Mikrofons auftreten, nicht zu stark h\xF6rbar sind, empfiehlt sich ein St\xFCck Schaumstoff oder Watte. So einen Mikrofon-Schaumstoff kann man sich g\xFCnstig kaufen und dann mit einem Gummiband festbinden. Wie ihr auf den Bildern sehen k\xF6nnt gibt es soetwas sogar in einer passenden Gr\xF6\xDFe, ohne dass man daf\xFCr ein Gummiband ben\xF6tigt. Allerdings muss man bedenken, dass dabei der Ton geringf\xFCgig dumpfer wird, was aber bei allen Mikrofonen so ist.

Beim Aufnehmen daran denken in Mono aufzunehmen, sonst verschwendet man unn\xF6tig die H\xE4lfte des Speicherplatzes auf der MiniDisc.

Viel Spass beim Audioaktivismus!

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F\xFCr die weniger Komplizierten - ein einfaches Mikrofon-Modell zum Selberbauen:

Das meiste von dem was oben beschrieben ist ist eigentlich nicht wirklich notwendig f\xFCr ein einfaches Mikrofon, sondern es handelt sich dabei um eine Ideall\xF6sung die man mit den zur Verf\xFCgung stehenden Materialien unter sehr geringem finanziellen Aufwand erreichen kann. Alles was man f\xFCr ein simples Mikrofon in dieser Machart braucht ist:

  • eine Elektret-Mikrofonkapsel
  • ein abgeschirmtes Mono-Kupferkabel (oder Stereo, und eines der Tonkabel rausziehen)
  • einen Stereo-Klinkenstecker (damit man das Mono-Signal im Endger\xE4t auf beiden Kan\xE4len h\xF6rt)

Werkzeug:

  • L\xF6tkolben mit etwas Zinn
  • Scheere

An das eine Ende des Kabels wird die Mikrofonkapsel angel\xF6tet, und zwar so dass die Tonader (das Drahtb\xFCndel durch das das Tonsignal laufen soll; in der Regel gummiummantelt, meistens rot, schwarz oder weiss) an den Tonleiter geht (also das kleine Metallst\xE4bchen, das nach innen zur Membran in der Kapsel geht). Der Abschirmungsdraht, der im Kabel lose um die gummiummantelte Tonleitung gewickelt ist, wird geb\xFCndelt und an die Masse gel\xF6tet (das St\xE4bchen auf der Kapsel das mit einer Leitung sichtbar nach Aussen an das Geh\xE4use geht).

Am anderen Ende l\xF6tet man das Kabel an den Klinkenstecker (engl. "jack"). An einem Stereoklinkenstecker m\xFCsste es zwei Leiter f\xFCr den linken und rechten Tonkanal geben, die Tonader (von der wir ja nur eine haben, also Mono) wird einfach an beide gel\xF6tet. Die Masse, also der Draht f\xFCr die Abschirmung wird hier ebenfalls geb\xFCndelt und an das Geh\xE4use des Klinkensteckers gel\xF6tet. Daf\xFCr hat er normalerweise einen extra B\xFCgel.

Beim L\xF6ten sollte man einfach darauf achten, dass man beide Dinge die man miteinander verl\xF6ten m\xF6chte, vorher etwas verzinnt, also den Zinndraht dr\xFCber schmelzen l\xE4sst. Der Zinn h\xE4rtet innerhalb von einer Sekunde sobald man den L\xF6tkolben wegnimmt und kann wiederholt fl\xFCssig geschmolzen werden. Wenn man sich also verl\xF6tet, kann man es einfach so oft nochmal versuchen bis es klappt. Das Drahtende k\xF6nnte man vorher etwas zwischen Zeigefinger und Daumen zwirbeln.

Wie man das Mikrofon nun optisch gestaltet oder handhabungstechnisch verbaut bleibt der Fantasie und dem Erfindungsgeist \xFCberlassen. So kann man die Mikrofonkapsel z.B. mit etwas Schrumpfschlauch oder einem Klebstreifen an einer Klammer befestigen, die man sich an den Kragen stecken kann. So ein Mikrofon eignet sich gut f\xFCr die Aufnahme von herumlaufenden Rednern, denen man das MiniDisc-Ger\xE4t einfach in die Hosentasche schiebt - nat\xFCrlich nur mit deren Einverst\xE4ndnis...

14-ansteckmikro.jpg

Man kann sich so eine Mikrofonkapsel nat\xFCrlich auch in das Geh\xE4use eines anderen kaputten Mikrofons bauen, oder was ganz neues und ausgefallenes ausprobieren (z.B. Bambusrohr als Mikrofonstab? Dagegen verblassen die viereckigen Dinger von Funk und Fernsehen.)

Fazit:

So ein Elektret-Mikrofon ist vollkommen tauglich f\xFCr ein weites Feld der Anwendung. Es ist sogar das beste Mikrofon, das ich je besessen habe. Die Tonqualit\xE4t ist sehr naturgetreu und ich habe damit neben Interviews und Vortr\xE4gen auch qualitative Aufnahmen in der Natur gemacht. Besser als es jedes Kaufhaus-Mikrofon f\xFCr 50 Euro machen k\xF6nnte. Vergleichbare Mikrofone die man sich im Musikfachhandel kaufen kann kosten 100 Euro und aufw\xE4rts. Somit ist das Preis-Leistungsverh\xE4ltnis dieser Eigenbau-Mikros unschlagbar und der Wert den es hat sich soetwas selbst gebaut zu haben -und vor allem zu wissen, wie man so ein Mikrofon einfach reparieren kann- ist ohnehin nicht in Geld messbar.

Ein H\xF6rbeispiel mit einem der hier gezeigten Mikros gibt es hier (inklusive kurzer Zusammenfassung). (Man muss den Qualit\xE4tsverlust durch die Kompression ber\xFCcksichtigen.)

Also viel Spass beim Mikros basteln!

Become the media!

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Topic revision: r3 - 10 Mar 2005, SkeP
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