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Über indymedia.de wurden seit seinem Start eine Menge Artikel geschrieben, Radio- und Fernsehsender haben indymedia-AktivistInnen interviewt und ARTE hat einen Film gedreht. Dieses ist nur eine kleine Auswahl davon. Wenn Du einen Artikel über indymedia geschrieben hast oder eine Radiosendung produziert hast, und sie hier nicht entdeckst, würden wir uns freuen, wenn Du sie uns in digitalisierter Form an imc-germany-kontakt<img src="../img/epost.gif" alt="ät" width="10" height="9" border="0" />lists.indymedia.org schickst, damit wir sie einbauen können.

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Protest im Netz

Wie sich die Gegner der IWF-Tagung in Prag über das Internet organisieren

Berliner Zeitung 26.09.2000 Lukas Pusch

PRAG, 25. September. Schon drei Tage vor Beginn der IWF- und Weltbanktagung an diesem Dienstag versammeln sich rund 2000 Demonstranten am Namesti Miru. Die politische Zusammensetzung dieser kleinen, aber lautstarken Demonstration ist genauso unterschiedlich wie die Länder, aus denen sie kommen. Da versammeln sich griechische Gewerkschafter und linke Aktivisten aus England, Deutschland, Schweden, grau melierte Mitglieder der tschechischen KP marschieren neben der internationalen Jugendgruppe "Revolution" und italienischen Sozialisten. Und diese Demonstration ist nur der Auftakt für Dutzende Protestveranstaltungen vor dem heutigen, von den Organisatoren "Global Action Day" getauften, Protest-Tag gegen IWF und Weltbank. Absprachen über das Netz Immer wieder fällt während dieser Demonstration in den unterschiedlichsten Sprachen ein Datum - der 30. November. An diesem Tag musste im vergangenen Jahr die Konferenz der Welthandels-Organisation in Seattle abgesagt werden. Rund 30 000 Demonstranten hatten die Zugänge zum Kongresszentrum und zentrale Plätze der Stadt blockiert. So wurde Seattle, versichern die Teilnehmer in Prag unisono, zum Gründungsmythos einer neuen, sich weltweit formierenden und vernetzten Protestbewegung. Denn die zweit häufigste Vokabel, die in diesen Tagen hier zu hören ist, heißt Internet. Bereits in Seattle erfolgten viele Vorkehrungen und Absprachen online - damit war dieser Protest eine der ersten politischen Mobilisierungen über das World Wide Web - zumindest war es aber die größte. Ein Hauptmerkmal dieser neuen Organisationsform ist, dass die Bewegung auf ein organisatorisches Zentrum und Hierarchien im eigentlichen Sinn verzichtet, denn die Vorbereitung und Organisation der Proteste läuft über das Internet. Vor Ort findet lediglich die technische Koordination der einzelnen Gruppen statt. Die Bewegung hat sich mit dem Netz ihr eigenes Nachrichten und Informationssystem aufgebaut. Das Information Media Centre von Prag (IMC Praha) befindet sich in einem Garagen-Hinterhof nicht weit von der Touristenmeile Wenzelsplatz entfernt. Hier, in der Art eines nicht-kommerziellen Nachrichtenpools, sollen alle Informationen über die Protestbewegungen zusammenlaufen. "Wir wollten eine Berichterstattung jenseits der etablierten Medien schaffen", sagt einer der Organisatoren, der sich "Skyer" nennt. Ein bisschen Geheimniskrämerei muss offensichtlich sein.

Immerhin, berichtet "Skyer" stolz, gibt es europaweit bereits 29 IMC Centres, außerdem in Mexiko, Bolivien, den USA und Australien, sogar im Kongo. Das Prager Zentrum arbeitet mit einem alternativen Radiosender sowie Szene-Cafés wie dem Café9 oder dem Marquis de Sade zusammen. Im Café9 sitzen am Montag Protestteilnehmer an den Computern, schreiben in ihre Laptops oder diskutieren Videodokumentationen von Protesten in Seattle und Australien. Plötzlich reden und gestikulieren im Szene-Café alle wild durcheinander. Die Organisatoren wurden über Handy informiert, dass ein Sonderzug mit 1000 Aktivisten der italienischen Gruppe Ya Basta an der tschechischen Grenze die Einreise verweigert wurde. Nachdem die erste Aufregung und Empörung abgeklungen ist, ziehen 200 tschechische Demonstranten spontan zum Innenministerium, um dagegen zu protestieren. Kann ja erst mal nicht schaden. Auf der zentralen Website der Indymedia (www.prague.indymedia.org) ist schon kurze Zeit später der erste Bericht über die Vorkommnisse an der Grenze nachzulesen. Als das staatliche tschechische Fernsehen Stunden danach in den Hauptnachrichten von dem Zwischenfall berichtet, ist die Szene über das Netz längst informiert. Auch wer nicht vor Ort ist, kann sich im Netz bei Indymedia über die Situation in Prag jederzeit aufklären lassen. Am Dienstag, dem Höhepunkt der Proteste, werden die Aktionen und Proteste rund um die IWF-Tagung als Videoreportagen sogar live auf die Indymedia-Website gestreamt.

Die eigentliche Mobilisierung passiert jedoch auf anderen Webseiten. Als organisatorisches Herz der Proteste in Prag gilt INPEG. Dahinter verbirgt sich eine Gruppe tschechischer IWF-Gegner. Auf ihrer Website http://inpeg.org/frontcover.html erklären sie ihre politischen Ziele und geben Tipps im Umgang mit den tschechischen Behörden. Außerdem erläutern sie aus ihrer Sicht die Politik des IWF und präsentieren ihre Alternativen. Auch unter www.go.to/prag-2000 oder www.x21.org/s26/ wird ausführlich über die Vorbereitung der Proteste gegen IWF und Weltbank berichtet. Dabei sind die Losungen so unterschiedlich wie die Anzahl der Sites und Links. Radikalere Strömungen rufen beispielsweise unter www.workerspower. com oder www.destroyimf.org gar zur Zerschlagung von IWF und Weltbank auf. Die tschechische Polizei jedenfalls nimmt die Aufrufe im Netz sehr ernst und hat sich gut präpariert, um rechtzeitig gegen die Störenfriede vorgehen zu können. Bereits vor dem entscheidenden Tag patrouillieren Sicherheitskräfte an jeder Straßenecke, insgesamt wurden über 10 000 Polizisten zusammengezogen. Hubschrauber fliegen über Prag und filmen jede größere Menschenansammlung, die Schaufenster der meisten Geschäfte im Zentrum sind verbarrikadiert. Eine Stadt im Ausnahmezustand.

Internet als Praxisfeld

Interview mit nadir.org über neue Vernetzungen und Nutzungsformen im www

ak 15.3.2001

Die Nutzung des Internets ist ein wichtiger Bestandteil der neuen Welle antikapitalistischer Straßenprotesten seit Seattle und Prag. Dezentralität und Hierarchiefreiheit sind Stichworte, welche die Klammer zwischen dem Selbstverständnis der "Anti-Globalisierungsbewegung" und linken MedienaktivistInnen bilden, die das Internet als Aktionsort entdeckt haben. Mit indymedia.org ist mittlerweile ein internationales Netzwerk internetgestützter MedienaktivistInnen entstanden, die sich in zahlreichen lokalen Gruppen organisieren. In unserem Interview beschreibt die Hamburger Gruppe nadir.org ihre Praxis. Sie beteiligt sich am Aufbau von indymedia.org in Deutschland. Die erste größere Intervention von germany.indymedia.org kündigt sie für die Castor-Transporte nach Gorleben Ende März an.

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In Zelten auf der Wiese

Beim Castortransport will die Initiative Indymedia per Internet unabhängige Informationen verbreiten

Berliner Zeitung 22.3.2001 Hannah Wettig

Sie sind nicht so viele wie zu Zeiten der großen sozialen Bewegungen. Aber sie sind vernetzt. Globalisierungsgegner organisierten ihren Widerstand in Seattle, Prag und Davos über das Internet. Der große Mobilisierungserfolg wird nicht zuletzt den Independent Media Centers (Unabhängige Medien Zentren) zugeschrieben. Deren Internet-Seite indymedia.org informierte tausende über die Proteste. Nun wollen Atomgegner in Deutschland das Konzept beim Protest gegen den Castor im Wendland einsetzen.

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Kleine Initiative versorgt Castor-Gegner mit Fakten und Gerüchten

Im Internet haben sie aufgerüstet. Nun haben die Castor-Gegner die virtuelle Welt verlassen. Eine kleine Initiative berichtet weiter umfassend aus dem Wendland.

Spiegel 28.3.2001 Florian Frank, ddp

Dannenberg - Im Vorfeld haben sich die Castor-Gegner über das Internet organisiert, haben Treffpunkte ausgemacht und Schienenblockaden geplant. Doch seit der Atommüll-Transport rollt, sind ihre Internetseiten meist verwaist. Zuverlässige und schnelle Informationen von den Aktionen an der Strecke gibt es kaum. Veralterte Inhalte zeigen, dass die Castor-Gegner nicht vor den Computern sitzen - sondern auf den Gleisen. Es gilt das Motto: "Computer aus! Raus! Mit Surfen lässt sich kein Castor stoppen!" www.atomplenum.de.

Vor allem eine kleine alternative Agentur kann in diesen Tagen von sich behaupten, umfassende Meldungen über die Proteste im Wendland zu bieten. Etwa 30 freiwillige Mitarbeiter und moderne Technik machen Indymedia zu einer der führenden Informationsquellen. Erstmals ist die Initiative zu den Castor-Transporten in Deutschland aktiv. Die Agentur wurde während der Demonstrationen zum Welthandelsgipfel in Seattle 1999 in USA gegründet.

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Die schnellste Mouse im Wendland

Die Homepage indymedia.org hat sich zur aktuellsten Infoquelle entwickelt

taz 30.3.2001 Michaela Soyer

Dienstag, 19.15 Uhr: Acht Mitglieder von Greenpeace haben sich an die Gleise gekettet. Zwanzig Minuten später ist die Nachricht im Netz. Aber nicht bei der Deutschen Presse Agentur oder Reuters - sondern unter www.de.indymedia.org. Diese erst neun Tage junge Homepage ist seit Freitag die schnellste und vollständigste Informationsquelle im Wendland. "Wir kommen aus der Bewegung", erklärt "Redakteur" Daniel Dietrich. Der 28-Jährige humpelt die Treppen des weißen Indymedia-Bauwagens auf der Infowiese in Dahlenburg herunter. "Die Bullen haben mich gestern auf den Schienen ziemlich hart angepackt."

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Wenn der Nuklear-Transport durch das World Wide Wendland rollt

Flash-Animationen, Webcams, Demo-Tagebücher und WAP-Berichte / Viel Platz für "unabhängige Berichterstattung" und Graswurzel-Journalismus im Internet

Tagesspiegel 30.3.2001 Kurt Sagatz

Kein Wunder, dass Web-Visitenkarten so gut laufen. Die eigene Internet-Präsenz macht bekannt, das gilt auch für Journalisten und Fotografen. Wie zum Beispiel Timo Vogt und seine Foto-Agentur Randbild, die seit 1999 besteht und sich vor allem im Netz großer Beliebtheit erfreut. Rund 1000 Leute schauen täglich bei www.randbild.de vorbei, um Vogts neueste Bilder zu betrachten. Damit gehört die Seite des 21-Jährigen zu den gefragten Adressen, denn dort befinden sich jene Fotos von ihm, die er nicht an eine Zeitung oder einen Online-Dienst verkaufen kann, weil sie diese Bilder nicht veröffentlichen wollen, wie Timo Vogt meint.

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Start-Up Medien-Projekt feiert Erfolge

www.indymedia.de weltweit am Puls der Zeit

nadelstiche-online 1.4.2001

Seit einigen Wochen feiert eine neue linke Info-Struktur Erfolge und hat sich binnen kürzester Zeit zu einem der wichtigsten Info-Netzwerke entwickelt. Größere Bekanntheit erreichte indymedia in Deutschland erstmals während des jüngsten Castor-Transports, als AktivistInnen des weltweiten Projektes teilweise im Fünfminutentakt präzise Informationen über den Stand der Proteste lieferte.

Dabei war die Qualität der Nachrichten so zuverlässig, dass auch die Online-Ausgabe des Hamburger Nachrichtenmagazins Der Spiegel zahlreiche Meldungen übernahm und in einem Artikel die Arbeit der linken OrganisatorInnen mit Lobeshymnen bedachte. Um den Gebrauchswert der Informationen auch für die DemonstrantInnen im Wendland zu erhöhen, hatten Mitglieder von indymedia an mehreren zentralen Orten öffentlich zugängliche Rechner aufgestellt, die selbst auf abgelegensten Wiesen von der Telekom mit ISDN-Anschlüssen versehen worden waren.

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Graswurzeln auf Sendung

In den USA ist das Programm von "IMC Newsreal" am Donnerstag gestartet. Fernsehen von unten machen die deutschen Indymedia-Aktivisten zwar bisher noch nicht, doch beim Castor-Transport hatten sie die medialen Fäden fest in der Hand

taz 7.4.2001 Ralph Wildner

Rückblende: Wendland, vor zwei Wochen. Einige hundert Menschen sitzen frierend auf den Gleisen, über die der Castor-Transport rollen soll. Sie sind zu frieden, denn sie wissen, dass sie noch lange sitzen werden: Auf dem mitgebrachten Taschenfernseher haben sie über "indymedia-tv" fast in Echtzeit erfahren, dass sich vor wenigen Minuten vier AktivistInnen einige Kilometer westlich ins Gleisbett einbetoniert haben. Die Kameraleute: die AktivistInnen selbst ...

Noch ist es Science-Fiction, dieses Szenario, zumindest für Deutschland. In den USA läuft das Fernsehen "von unten für unten" dagegen seit Donnerstag. Keine professionellen Journalisten, sondern unabhängige Video-Gruppen sind in 18 US-amerikanischen Städten, in Vancouver und Courtenay in Kanada sowie im englischen Brighton unterwegs, um Beiträge für das Pilotprogramm von "Indymedia Newsreal" zu filmen. Die in den USA tief verwurzelte Freespeech-("freie Rede")-Bewegung erhält damit ihre erste Stimme über Satellit. Zur Begründung ihrer Aktivitäten berufen sie sich auf den Medienwissenschaftler Ben Bagdikian, der feststellt, dass nur sechs multinationale Konzerne sämtliche US-Medien kontrollieren, die Belange der Menschen dagegen vom Einheits-Infotainment gar nicht mehr berücksichtigt werden. Diese Situation wollen die unabhängigen Medienrebellen "auf den Kopf stellen".

Hier in der alten Welt steht der Schritt zum Satellitenfernsehen noch lange nicht an. Im Berliner Mehringhof sind knapp 20 Engagierte erst einmal glücklich, dass das Internet-Informationsforum www.indymedia.org seinen Probelauf im Wendland mit Bravour bestanden hat. Sie sind so etwas wie die Berliner Redaktion des deutschen unabhängigen Medienzentrums (Independent Media Center/IMC). Zusammen mit Aktiven aus Hamburg und Leipzig haben sie gerade rechtzeitig zum Castor-Transport Ende März die deutsche Indymedia-Homepage in Betrieb genommen. Dort findet man Nachrichten über den Anti-Atom-Protest, erstellt und übermittelt von den DemonstrantInnen selbst, unzensiert und ohne Verzögerung. Nichts weniger wollen sie bieten als eine unverstellte Stimme der Bewegung.

Die deutsche Sektion, die jetzt als "IMC Wendland" ihren ersten Auftritt hatte, ist ein Spross des internationalen, nichtkommerziellen Nachrichten-Netzwerks www.germany.indymedia.org. Dessen Wurzeln liegen in Seattle, wo im November 1999 die Tagung der Welthandelsorganisation WTO stattfinden sollte - und das auf Grund der heftigen Proteste nur eingeschränkt stattfinden konnte. Um Dokumentation und Interpretation der Proteste nicht den konventionellen Medien zu überlassen, lieferten Teilnehmer der Proteste eigene Aufnahmen und Berichte an Indymedia - und konnten damit sogar die bürgerliche Presse zum Widerrufen von Falschmeldungen zwingen. Fotos von eingesetzten Gummigeschossen waren stärker als die Meldung, es seien keine eingesetzt worden.

Der Erfolg von Seattle hat schnell zur Gründung weiterer IMCs geführt: Derzeit gibt es 52 Stück, 26 davon in den USA, den Rest über die Welt verstreut.

Zum Schlüsselerlebnis für die deutschen AktivistInnen wurde die IWF- und Weltbanktagung im September 2000 in Prag, wo es gelang, durch die schnelle und genaue Berichterstattung des IMC die Proteste zu begleiten und zu koordinieren.

Wer sich überhaupt IMC nennen darf, gerät bei so viel Euphorie allerdings ein wenig aus dem Blick: Grundsätze fast aller IMCs sind "open posting" und die Möglichkeit, zu kommentieren. Das hei?t, jeder darf seinen Beitrag einsenden und weiß, dass dieser unverändert publiziert wird. Und jeder darf jeden Beitrag kommentieren - nicht nur, um ein Geschmacksurteil abzugeben, sondern vor allem um viele Einzelbeobachtungen zu einem möglichst genauen Bild zu verweben. Für die deutsche Redaktion ergab sich daraus ein Problem: Wie soll mit rassistischen und sexistischen Beiträgen umgegangen werden? Darf man die tatsächlich veröffentlichen? Und wie verfährt man mit "spam"-Angriffen, die den Server mit großen Mengen unbrauchbarer Mails zuschütten und blockieren?

Die vorläufige Lösung ist eine dreigeteilte Website: Auf der ersten Seite stehen ausgewählte, für gut befundene Beiträge, auf der zweiten der ganze Rest - bis auf ausgewählten Schrott, der im "Müllarchiv" abgelegt und auf Wunsch per E-Mail zugeschickt wird. Ein Spagat zwischen Meinungsfreiheit und political correctness, der erst in diesen Tagen auf den Foren der Indymedia-Welt entschieden werden soll. Im Netz natürlich, wo sonst.

Die Redaktion, die ja nicht redigiert, sondern nur sortiert, ist schon damit mehr als ausgelastet. Schließlich besteht sie nur aus ehrenamtlichen Freiwilligen, manche mit Computerkenntnissen, manche ohne, die sich neben Schule, Studium oder Beruf die Zeit für das IMC aus dem Kreuz leiern. Zum Profilieren taugt der Job auch nicht, schließlich tauchen nirgendwo die Namen der MitarbeiterInnen auf, in der Zeitung wollen sie auch nicht erwähnt werden, auch nicht mit Vornamen. "Die Repression nimmt zu", erklärt einer aus der Kerngruppe, keiner könne wissen, ob "die" nicht morgen auch gegen IMCs vorgehen. Unbotsam genug sind sie ja, und die von Polizisten eingeschlagenen Scheiben des Indymedia-Autos im Wendland sprächen für sich.

Ein anderes Problem ist das Geld für die Ausstattung mit Arbeitsmaterial, mit Rechnern, Druckern, Digitalkameras: Werbeeinnahmen gibt es nicht, Verkaufserlöse logischerweise auch nicht, steht doch auf jeder Seite der freien, zum Weiterverbreiten herausgegebenen Informationen die Zeile "fuck copyright". Einzige Einnahmequelle sind also private Spenden, doch auch in dieser Hinsicht sei Europa noch einen guten Schritt hinter den USA zurück. Ein zuverlässiger Förderer steht dem IMC immerhin mit dem Berliner "Netzwerk e.V." zur Seite.

An der Homepage selbst bleibt noch einiges zu tun. Noch ist keine Suchfunktion eingerichtet, und die Arbeit an den Übersetzungen geht schleppend voran: Automatisch gehts dann doch nicht, und im Pool sind einfach zu wenige Leute. Das Graswurzel-Medien-Netzwerk "von unten für unten" ist keine leichte Aufgabe, aber zum Lamentieren bleibt keine Zeit. Wenn die Wendland-Nachbereitung gelaufen ist, wird man schon mitten in den Vorbereitungen für die nächsten Aktionen sein.

Indymedia.de, die Internetseite für Aktivisten, will vernetzen

Freitag 20.4.2001 Gerhard Klas

Seit Mitte März sind sie im Netz der Netze und mit den Castor-Transporten hatte sie ihr Coming-out: Indymedia.de (http://de.Indymedia.de.org), die deutsche Sektion eines internationalen und "multimedialen Netzwerkes unabhängiger und alternativer Medien" hat sich ganz dem Widerstand gegen Kernenergie, Faschismus, Rassismus und Globalisierung verschrieben. Werbebanner gibt es keine und das wäre auch nicht mit ihrem Selbstverständnis in Einklang zu bringen. Demnach sind sie nämlich Teil der genannten Bewegungen und fördern bewusst eine subjektive Berichterstattung, die Bestandteil ihres Konzeptes von Gegenöffentlichkeit ist. Von "wirtschaftlichen Interessen gefärbte Informationen", eine Folge der ausufernden Werbe- und Anzeigenwirtschaft, kritisiert Indymedia.de als wesentlichen Bestandteil der "Zusammenballung etablierter Medienmacht". Ganz allgemein und überhaupt geht es Indymedia.de nicht um "objektiven Nachrichtenjournalismus, sondern um subjektive persönliche Stellungnahmen verschiedenster Menschen auf der Strasse".

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Internet: Revolte der Subjektivität

Sozialistische Zeitung Gerhard Klas

Seit Mitte März sind sie im Netz der Netze und mit den Castor-Transporten kam das große Coming-out: Indymedia.de, die deutsche Sektion eines internationalen und "multimedialen Netzwerks unabhängiger und alternativer Medien" hat sich ganz dem Widerstand gegen Kernenergie, Faschismus, Rassismus und Globalisierung verschrieben.

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Aktivistenforum weltweit

Demo im Netz

Jungle World 25.4.2001 Nicole Paul

Wendland, Camp Nahrendorf: In einem Infozelt steht ein frei zugänglicher Rechner mit Internetanschluss. Es ist einer von mehreren Stützpunkten des Indymedia Center Germany (imc). Indymedia hat das Konzept von linker Gegenöffentlichkeit aus den siebziger Jahren wiederentdeckt und zwar im Internet. Mit dem Widerstandsgroßereignis, dem "Castortransport nach Gorleben", fanden die deutschen Indymedia-Macher das Thema für ihre Premiere. Während in der Nähe des Camps die Polizei in einem Kessel ein paar Hundert Leute festhielt, kamen ständig Augenzeugen und posteten ihre aktuellen Informationen auf der Webseite (http://de.indymedia.org ). Auch Fotos und kurze Videos konnten veröffentlicht werden.

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FBI forderte von Indymedia alle Logfiles

telepolis 30.4.2001 Florian Rötzer

Während der Proteste gegen den "Amerikagipfel" erschienen FBI-Beamte im IMC in Seattle mit einer gerichtlichen Anordnung, die nicht nur verfassungsrechtlich bedenklich ist, sondern auch wegen des Schweigeverbots für Unruhe sorgte

Vom 20. bis 22. April fand der "Summit of the America" in Quebec statt, auf dem sich alle Staatschefs der amerikanischen Länder - bis auf den nicht-eingeladenen Castro aus Kuba - trafen, um eine gesamtamerikanische Freihandelszone (FTAA) zu beschließen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren angesichts der befürchteten Demonstrationen enorm - und auch Quebec war wieder einmal die Stunde der unabhängigen Medienberichterstattung, wie sie Indymedia.org seit dem ersten großen Anti-Globalisierungsprotest gegen das WTO-Treffen in Seattle im Jahr 1999 liefert.

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Gut drauf

Jedem sein Bild und seinen Pflasterstein: In Berlin trafen sich linke Medienaktivisten zur Nachbereitung des 1. Mai

taz 4.5.2001 Sebastian Handke

Berlin und seine Demos. Ein problematisches Verhältnis. Trotz aller Klagen über Krawall und Zerstörung - am Tag der Liebe wie am Tag der Arbeit sollen Bilder produziert werden. Darum geht es. Was dem einen die nackte Titte, ist dem anderen sein Pflasterstein. Zwar wurde Berlins erstes Großevent im Demojahr offiziell verboten, hat aber immerhin den Vorteil, dass es längst und unwiderruflich in den Veranstaltungskalender der Stadt eingegangen ist.

Ansonsten kann dem 1. Mai das, was der Love Parade billig ist, nur recht sein. Also auch hier: Medienberichterstattung bis zum Abwinken, Revolutionsgrusel inklusive. Die Aktivisten organisieren ihre Medien zunehmend selbst. In der Hauptrolle als Heilsbringer wieder mal: das Internet. Gegenöffentlichkeit soll aufgebaut werden gegen die "etablierte Medienmacht".

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Neu im Netz: Indymedia

M Zeitschrift der IG Medien Mai 2001 Gerhard Klas

Seit Mitte März sind sie im Netz der Netze und mit den Castor-Transporten kam das große Coming-out: "Indymedia", die deutsche Sektion eines internationalen und "multimedialen Netzwerkes unabhängiger und alternativer Medien", hat sich ganz dem Widerstand gegen Kernenergie, Faschismus, Rassismus und Globalisierung verschrieben. Werbebanner gibt es keine und das wäre auch nicht mit ihrem Selbstverständnis in Einklang zu bringen. Demnach sind sie nämlich Teil der genannten Bewegungen und fördern bewusst eine subjektive Berichterstattung, die Bestandteil ihres Konzeptes von "Gegenöffentlichkeit" ist. Indymedia will politischen Aktivistinnen und Aktivisten die Möglichkeit geben, ihre Texte, Bilder, Tondateien und Videos einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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"Wir müssen aktiver werden..."

Interview mit Anna vom Independent Media Center (IMC) Germany zur Berichterstattung über die Aktionstage zur Resdidenzpflicht.

dash.org

Wie hat sich indymedia bei den Aktionstagen für die Abschaffung der Residenzpflicht vom 17.-19. Mai 2001 engagiert?

Anna: indymedia war mit öffentlichen Terminals und Stellwänden mit gedruckten Infos am Berliner Schloßplatz anwesend. Zusätzlich wurde die Kampagne begleitet, das heißt, wir waren selber mit mehreren Leuten da, die schwerpunktmässig geschrieben, gefilmt, fotografiert und Audios aufgenommen haben, um Öffentlichkeit für die Kampagne herzustellen.

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Vom anthropologischen Journalismus

Das "Independent Media Center" (IMC) betreibt beim EU-Gipfel in Stockholm alternative Berichterstattung

taz 14.6.2001 Reinhard Wolff

"Wir wollen als Beobachter mitten unter den Demonstranten stehen, während die etablierten Medien vom sicheren Platz hinter den Polizeiabsperrungen filmen. Das gibt dann wohl eine recht unterschiedliche Perspektive."

Linus Lundin ist einer der Aktivisten, die seit dem Frühjahr eine schwedische Abteilung des IMC aufgebaut haben. Das "Independent Media Center" wurde im Zusammenhang mit dem WTO-Gipfel in Seattle vor zwei Jahren geboren. Heute arbeitet diese alternative Nachrichtenagentur in mehreren Teilstaaten Kanadas und der USA sowie in 20 weiteren Ländern in Europa und Südamerika. In Schweden hatte es seine Internetpremiere im April mit Exklusivbildern eines Tortenattentats auf den schwedischen Finanzminister Bosse Ringholm.

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Indymedia stiehlt Webby Award

Protest gegen "die korporative Übernahme des Netzes"

telepolis 20.7.2001 Armin Medosch

Bei der Preisverleihung zu den Webby Awards am Mittwoch Abend in San Francisco kam es zu einer Protestaktion von Vertretern der unabhängigen Newssite Indymedia.org. Im Verlauf der Preisverleihung stürmten zwei Maskierte das Podium und entwendeten den Preis für die Kategorie News als Protest gegen "die korporative Übernahme des Netzes".

Indymedia war in der Kategorie "Activism" für einen Preis nominiert worden. Doch die Betreiber verwehrten sich gegen diese Kategorienzuweisung. "Zu sagen, dass Indymedia Aktivismus ist und nicht News, zeigt bereits die korporative Übernahme des Netzes", sagte ein Sprecher der Gruppe. Ein weiterer Vertreter der Organisation fügte hinzu, wenn Indymedia Aktivismus sei, dann seien Mainstream-Sites wie CNN oder ABC "Aktivisten für Großunternehmen und reiche Eliten".

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Nachtreten gegen die Presse

Kaum hatte sich der Sturm von Genua gelegt, stürmte die italienische Polizei die Büros eines besonders gefährlichen Gegners: Razzia beim unabhängigen Mediennetzwerk "Indymedia"

taz 24.7.2001 Klaus Nowak

"Wir hatten gehofft, dass der Stress langsam vorbei ist" meinte Sabine L. rückblickend. Die Aktivistin des unabhängigen Mediennetzwerk Indymedia http://germany.indymedia.org/ kam gerade dazu, etwas frische Luft zu schnuppern. Die letzten Tage war sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern ununterbrochen auf den Beinen. Eine Aktion jagte die andere, und immer waren Indymedia-Aktivisten vor Ort. Dann mussten Meldungen über Festnahmen und Misshandlungen in Polizeihaft recherchiert werden.

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Medienmacht von Unten

Die "Globalisierungskritische" Bewegung und ihre Medien

Ars Electronica - Radio Fro Gunter Hopfgartner

Dass die "globalisierungskritische" Bewegung durchaus das Potential zum kollektiven Medienstar besitzt, war schon vor den Auseinandersetzungen um den G8-Gipfel in Genua klar gewesen. Weitgehend Skepsis herrschte jedoch - auch in den eigenen Reihen - bezüglich der Medienkompetenz der AktivistInnen. Vor allem angesichts der Konzentration der Medien auf die "Gewaltfrage", sahen sich die "GlobalisierungskritikerInnen" oftmals im Teufelskreis einer militärischen Logik verfangen: "Die internationale Protestbewegung steht vor einem Dilemma: Wenn sie friedlich demonstriert und diskutiert, wird sie von den Medien ignoriert. Wenn es indessen zu Straßenschlachten kommt, berichten zwar die Medien, aber 'das Volk' wird nicht aufgeklärt über das, worum es geht.

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Indymedia oder Phase 2

Conne Island September 2001

Die linke Medienpraxis, sei es der Informationsdienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten oder ein Freies Radio, taz oder radikal, Indymedia oder Phase 2, kommt, gemessen an den diversen Medientheorien, die Gottfried Oy in seinem Buch "Die Gemeinschaft der Lüge" referiert, nicht gut weg. Das liegt daran, dass die Konzepte der sogenannten Gegenöffentlichkeit einem bürgerlichen Verständnis verhaftet bleiben. Was besser zu machen wäre, kann Oy aber auch nicht sagen.

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"Jeder ist fähig Medien, zu schaffen"

Ein Gespräch mit Linda Lannacone von Paper Tiger TV aus New York, dem ältesten und einflussreichsten US-amerikanischen Videokollektiv

Jungle World 12.9.2001

Paper Tiger TV feiert in Kürze sein 20jähriges Bestehen. In welchem Kontext und mit welchen Vorstellungen von Medienarbeit ist das Kollektiv 1981 gegründet worden?

PTTV wurde während der ersten Präsidentschaft Ronald Reagans gegründet. Es herrschte die Angst vor einer Rechtswende der Politik und vor einer Zunahme von Corporate Culture. Von Anfang an war PTTV ein bunter Haufen. Einige Leute hatten einen akademischen Hintergrund, andere waren unabhängige FilmemacherInnen, LehrerInnen etc. Viele waren in der Friedensbewegung oder in der internationalen Solidaritätsarbeit engagiert. Trotzdem richtete sich PTTV nicht an politische AktivistInnen, es war medienkritisch ausgerichtet. Radikal politisch, klar, aber nicht um einen direkten Politikaktivismus zu fördern. Die Bänder zirkulierten in akademischen, intellektuellen, politischen und künstlerischen Kreisen. Die Paper Tiger Shows wurden meistens live im offenen Kanal produziert, denn unsere Medienkritik sollte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dee Dee Halleck, eine der PTTV-Gründerinnen, hat zum medienanalytischen Ansatz von Paper Tiger gesagt, wenn einer eurer Zuschauer etwas zu einem Thema lese, nachdem es von PTTV behandelt wurde, dann werde jeder Artikel von sich aus ein kritisches Verständnis verstärken. Ist das nicht reichlich naiv?

Es ist naiv zu glauben, dass sozialer Wandel über Nacht stattfindet. Ja, ein kritischer, zynischer Blick auf die Medien ist verbreitet. Die Leute wissen, dass sie von der Werbung und den Medien manipuliert werden. Trotzdem sagen wir immer noch, die Dinge haben sich nicht geändert. Aber stimmt das? Mehr als dreihundert offene Kanäle existieren in den USA. Sie stellen eine Möglichkeit dar, selbst Fernsehen zu machen. Die IndyMedia Centers (IMC) sind entstanden. Den Medien gegenüber kritisch zu sein ist der erste Schritt zu einer gesellschaftlichen Änderung, eigene Medien zu produzieren muss der nächste Schritt sein.

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Augenzeugen online

Unabhängige Nachrichtendienste und Chat-Kanäle im Internet lieferten in den ersten Stunden nach den Anschlägen die ausführlichsten Nachrichten

taz 13.9.2001 Erik Möller

Die Server der großen News-Websites wie CNN, MSNBC und BBC waren schnell unter dem Ansturm der Zugriffe lahmgelegt. Doch schon kurz nach den Anschlägen konnten unabhäängige Nachrichtendienste wie Slashdot und Indymedia ein halbwegs akkurates Bild präsentieren. So schrieb "CmdrTaco", Herausgeber von Slashdot, gegen 9:12 Ortszeit: "Normalerweise würde ich so etwas nicht hier veröffentlichen, aber ich kann keine der Hauptnachrichten-Sites erreichen, deshalb mache ich eine Ausnahme."

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"Zwei Fulgzeige hätte gereicht"

Kaum hat eine durchgedrehte Sekte ihre Attentäter losgeschickt, fängt die nächste an zu spinnen: Deutsche Linke üben sich in Attentatsberatung.

Jungle World 19.9.2001 kim bönte

Dass nichts so sein wird, wie es einmal war, halten nach dem Anschlag in New York Menschen auf der ganzen Welt für wahrscheinlich. Nicht so ein paar unverdrossene deutsche Linke, für die die Weltlage so übersichtlich ist wie nie zuvor. So fand die UZ klare Worte. Man schließe sich der "Verurteilung der Terrorattacken ausdrücklich" an, "denn sie verändern politische und soziale Entwicklungen nicht zu Gunsten der arbeitenden Bevölkerung".

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Eine Ente ist eine Ente

Weil im Internet jeder alles behaupten kann, hat sich eine Falschmeldung über die Bilder von "jubelnden Palästinensern" in Windeseile verbreitet

taz 20.9.2001 DANIEL FERSCH

Dass Manipulation und Fälschungen seit jeher zu den Begleiterscheinungen des Journalismus gehören, ruft bei den meisten nur noch ein müdes Lächeln hervor. Vom "stern tv" -Reporter Michael Born, der Filmbeiträge fälschte, bis zum "Borderline-Journalimus" des SZ-Magazins sind Leser und Zuschauer Kummer gewöhnt. Durch die fortschreitende Medienkonzentration steigen deswegen auch die Befürchtungen, mächtige Medienkonzerne könnten ihren Einfluss und die Macht der Bilder nutzen, um die öffentliche Meinung zu manipulieren. So schien es ein gefundenes Fressen für Medienkritiker zu sein, als in Folge der Terroranschläge in den Vereinigten Staaten Gerüchte über einen möglichen "Fall Born" bei CNN in Umlauf kamen.

Zwei Tage nach den Anschlägen hatte ein brasilianischer Student in einer E-Mail verbreitet, er habe Beweise, wonach die Bilder von jubelnden und feiernden Palästinensern in Ost-Jerusalem, die auf CNN am 11. September nach den Terroranschlägen in den USA gezeigt wurden, gefälscht seien. In Wahrheit stammten die Aufnahmen aus dem Jahr 1991 und zeigten die Freudenfeiern von palästinensischen Jugendlichen nach der irakischen Invasion in Kuwait. Eine Universitätsdozentin hätte vor Studenten behauptet, sie sei im Besitz dieser zehn Jahre alten Videoaufnahmen, habe sie mit den Beiträgen auf CNN verglichen und festgestellt, dass sie identisch wären ("the very same images"). CNN wolle damit wohl die Stimmung gegen die Palästinenser anheizen.

Obwohl am darauffolgenden Freitag, den 14. September postwendend ein Dementi desselben Autors folgte, hatte die Meldung bereits weltweit über Newsforen und Mailinglisten die Runde gemacht und in vielen Redaktionen für Aufsehen gesorgt. In seinem Widerruf entschuldigte sich der Autor deshalb auch für seinen Fehler und versicherte, die Information über die Fälschung der Fernsehbeiträge sei "nur eine Vermutung" gewesen, beweisen könne die Dozentin ihren Verdacht nicht.

Besorgt um ihren Ruf hatten sich darauf auch CNN und Reuters TV, die Urheber der fraglichen Aufnahmen, beeilt, den "grundlosen und lächerlichen Vorwurf" zu entkräften, und bestätigt, dass die Bilder tatsächlich am 11. September in Ost-Jerusalem entstanden seien.

Vor allem unabhängige Medienplattformen wie Indymediea (www.indymedia.org) und der Politiknewsletter Counter Punch (www.counterpunch.com), zu dessen Autoren der angesehene Linguist und Medientheoretiker Noam Chomsky gehört, hatten die Meldung zuerst ohne Überprüfung veröffentlicht. Indymedia (kurz für "Independent Media Center") wurde letztes Jahr als Netzwerk gegründet, um unabhängig von den Medienkonzernen über die Tagung der Welthandelsorganisation (WTO) in Seattle zu berichten. Motto der Plattform ist es, "radikal, genau und engagiert die Wahrheit" zu verbreiten. Durch Mitarbeit von Aktivisten und ständige Aktualisierung im Internet etablierte sich Indymedia tatsächlich bald als verlässliche und schnelle Informationsquelle abseits des Mainstream. Inzwischen gibt es weltweit Ableger des Netzwerkes.

Doch die Meldung über die angeblich gefälschten Palästinenserfeiern zeigt nun erstmals die Grenzen von Plattformen wie Indymedia auf. Dadurch, dass jeder in den E-Mail-Foren Meldungen, ob wahr oder unwahr, verbreiten kann, wie es ihm beliebt, könnte die gewonnene Glaubwürdigkeit bald verloren gehen. Zumindest der Autor der "CNN-Falschmeldung" hat aus dem Vorfall bereits eine grundlegende Lehre gezogen: "Wenn alternative Medien glaubhaft sein wollen, müssen wir unsere Quellen überprüfen", schreibt er in seinem Dementi an Indymedia.

News von Unten

stern 11.10.2001 von Sven Stillich

Was tut sich in den USA, im Kongo oder in der Nachbarschaft? Indymedia berichtet im Internet von Menschen und Ereignissen, die selten in der Zeitung stehen

Die einen halten sie für eine Bedrohung, die sie nicht im Griff haben, für eine Gefahr, die eher wachsen wird als schwinden. Für andere sind sie ein Stück Hoffnung, eine eigene Stimme und ein Beweis dafür, dass vieles möglich ist, wenn man diese Stimme erhebt. Für beide Seiten steht also fest: Sie haben Bedeutung, die knapp 70 "Independent Media Center" (IMC), jene unabhängigen Sendezentren des Netzwerks Indymedia, die aus allen fünf Kontinenten in Wort, Bild und Ton berichten - aus dem Wendland, aus Genua, vom Anschlag auf das World Trade Center oder darüber, was vor Ort in ihrer Nachbarschaft geschieht. Sie verbreiten die Informationen über das Internet, jede Beobachtung, jede Meinung erreicht sekundenschnell ihren Leser.

Hinter all dem steckt eine ehrgeizige Idee. Die Idee, dass es möglich sein müsste, der oft sensationslüsternen Berichterstattung in Zeitungen und im Fernsehen etwas entgegenzusetzen. Dass man über das Netz eine Gegenöffentlichkeit schaffen könnte, einen Internetsender, der auf keine Quote angewiesen ist und der keine Korrespondenten ins Ausland schicken muss, weil die Menschen vor Ort mehr über ihre Umwelt wissen. Ein Netzwerk von unten, offen, nichtkommerziell, unabhängig - Indymedia eben.

Wer die Idee hatte? Amerikaner? Europäer? Asiaten? Ja und nein und alle ein bisschen. Schon in der Entstehungsphase war Indymedia international. Gemeinsam haben die vielen Gründer nur, dass sie sich als politisch links begreifen, in unterschiedlichen linken Gruppierungen organisiert sind und wissen, was sie nicht wollen: Unterdrückung von Menschen und Meinungen; Faschismus, Rassismus, Globalisierung. Konkret wurde die Idee im November 1999. Im Vorfeld des Protests gegen die Tagung der Welthandelsorganisation (WTO) in Seattle nahm das erste IMC die Arbeit auf.

In Deutschland gibt es Indymedia seit März dieses Jahres. Der 20-jährige Jochen und Oliver*, 33, sind Teil des Netzwerks, das bundesweit aus rund 15 Leuten in Berlin und einer Hand voll Unterstützern in Hamburg und Leipzig besteht. Beide waren dabei, als das deutsche Indymedia seinen ersten größeren Auftritt hatte - bei den Demonstrationen gegen die Castor-Transporte im Wendland. Als die Telekom ISDN-Leitungen auf freies Feld verlegte, damit das IMC senden konnte, aus einem Zelt heraus ins Internet. Minütlich gab es Informationen, was wo gerade geschah - und es sei sogar so gewesen, sagt Oliver, "dass die Polizei sich auf unseren Seiten informiert hat, wo sie ihre Einsätze fahren muss. Andererseits hat auch Robin Wood geschaut, wo gerade der Zug ist". Ob das beides so positiv ist? "Nein, natürlich nicht. Aber es zeigt, welchen Stellenwert dieses Medium hat und wie genau es arbeitet."

DIE EREIGNISSE zeigten aber auch, dass die Polizei verunsichert ist, wenn jeder journalistisch arbeiten kann und nicht nur Journalisten mit Presseausweisen vor Ort sind. Indymedia hat eine Grenze aufgelöst - mit nur einem Prinzip, dem des "OpenPostings": Jeder soll seine Beobachtungen und Ansichten unzensiert ins Netz stellen , solange er keine menschenverachtenden Meinungen vertritt. Jeder Mensch mit einer Kamera, einem Aufnahmegerät, einem Stift oder auch nur wachen Augen und Ohren kann auf www.indymedia.de senden. "Dem Leser muss klar sein", sagt Jochen: "Was er da liest, hat dieser eine Mensch so erlebt. Es gibt die Möglichkeit, Einträge zu kommentieren, und dann kann sich jeder sein eigenes Bild machen. Das ist mehr Arbeit, als Zeitung zu lesen, aber das Bild kann genauer sein." Bei Indymedia zu blättern heißt also auch: Meinungen zu lesen, die man nicht lesen will; mit Ansichten konfrontiert zu werden, die man ablehnt.

Trotz dieser Offenheit: Die Betreiber von Indymedia sind vorsichtig. Die Erfahrungen mit der Polizei sind neben der Angst vor ÜberfÄllen aus der rechten Szene ein Grund dafür. Ein anderer heißt Genua. Dort wurden während des G8-Gipfels Indymedia-Aktivisten verhaftet, obwohl sie Presseausweise besaßen. Die Fahrerin eines Busses mit IMC-Computern wurde festgenommen und beschuldigt, einen Anschlag zu planen. Dann wurde das Pressezentrum von den Carabinieri gestüürmt, Reporter wurden schwer verletzt, Filme beschlagnahmt.

"Die Erfahrung, erstürmt worden zu sein", sagt Oliver, "hat uns gezeigt, wozu die fähig sind, wenn sie Gegenöffentlichkeit nicht tolerieren wollen. Bedenkt man aber, wie viele Journalisten weltweit verfolgt und ermordet werden, wie viel Folter es gibt, dann ist das nur ein kleiner Stein." Genua war, so zynisch es klingt, für Indymedia eine wichtige Erfahrung. Solidarität zu erfahren auch von anderen Journalisten, das war gut. Die Bestätigung, auch auf andere Medien Einfluss zu haben, das war wichtig. Ein Video von Indymedia wurde in den Fernsehnachrichten gezeigt, ohne Nennung der Quelle zwar, aber "durch die Ausstrahlung haben sie unsere Inhalte mitgetragen", findet Oliver. Doch nicht nur Bilder hatten Wirkung: "Wir haben den Tod von Carlo als Mord öffentlich gemacht", sagt Jochen über ihre Berichterstattung zum Tod eines Demonstranten, "und das hat alle gezwungen, Stellung zu beziehen, ob es Mord war oder nicht."

GENUA WAR GRAUSAM und spektakulär. Indymedia arbeitet aber auch, wenn kein Wasserwerfer in der Nähe ist. Der Hauptteil der Postings berichtet von ganz normalen Vorgängen, von Demonstrationen und Aktionen wie der Kampagne gegen die Residenzpflicht, ein Gesetz, das es Asylbewerbern verbietet, sich in Deutschland frei zu bewegen. Indymedia war vor Ort, und die Flüchtlinge hatten die Möglichkeit, selbst über ihre Situation zu berichten. "Ich hatte Gänsehaut", sagt Oliver, "mit was für einer Lust sie sich diesen Raum genommen haben. In ihrer eigenen Sprache zu schreiben, ohne etwas befürchten zu müssen, das war wichtig. Das war etwas, wo das Medium in Anspruch genommen wurde von Leuten, die es auch wirklich brauchen."

Wie es weitergeht? Natürlich wird es weitere Treffen geben, in Deutschland und international, es wird weiter Schulungen geben, in denen Mitarbeitern lernen, wie man recherchiert. "Es wird breiter werden", sagt Oliver, "der Kreis wird gr&&öuml;uml;ßer." Das einzige Problem: Indymedia ist spendenfinanziert, es fehlt Geld. In Genua wurden so viele Computer und Material zerschlagen, dass jetzt alles neu gekauft werden muss.

*Namen von der Redaktion geändert.

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"Becoming a political screen" - Linke gehen online

com.une.farce [last update 12.10.01]

Politik und Internet. Bis heute ist ein mit aller Entschiedenheit vorgetragenes "Don't believe the hype!" die gängigste Formel, auf die deutsche Linke sich in Bezug auf's Web einigen können. Will man doch auf keinen Fall ins gleiche Horn blasen wie www.neuemitte.de. Von diesem Grundmisstrauen war auch der Aufbruch dieses Webzines geprägt: Kritik im Netz kann nicht ohne die eindeutig materialistische Versicherung der Bewegung im Alltag auskommen.

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Rauchbomben und Altersheim

Im weltweiten Internet kann jeder jeden informieren, doch: Wie glaubwürdig ist diese Art von Online-Publizistik?

Berliner Morgenpost 2.12.2001 Ulrike Heitmüller

Kann mir jemand sagen wie man rauchbombons bastelt", will " Tschiri" wissen. Jeder Mensch mit Internetanschluss kann die Frage lesen und eine Herstellungsanleitung für Rauchbomben mailen. Tschiri ist nämlich voll vernetzt und fragt die User von Indymedia: Hier, unter www.indymedia.de, kann jeder einen Text schreiben und anschließend ins Netz der Netze stellen. Der Anlass für "Rauchbombons": Der Aufmarsch von Rechtsextremen gegen die Eröffnung der Wehrmachtsausstellung. Linke Gruppen wollten dies verhindern, wenn auch nur die wenigsten dabei Gewalt anwenden würden. Ob Genua, Göteborg oder die gestrige NPD-Demo in Berlin - auf Websites wie www.stressfaktor.squat.net oder www.indymedia.de. kann sich jeder informieren. Besonders Indymedia ist weltumspannend, aktuell und aktionsgeprägt. Das Internet hat die Kommunikations- und die Informationswege revolutioniert. Jeder kann jeden erreichen. In der Vergangenheit musste Druckerpressen besitzen, Redakteure bezahlen und über Vertriebswege verfügen, wer die Öffentlichkeit informieren wollte. Jetzt genügt ein PC mit Internet-Anschluss. Für die User bedeutet das: Sie erreichen indymedia.de genauso leicht wie etwa spiegel.de. Sie können sich einfach, schnell und billig informieren. Wer früher etwas über die Herstellung von Rauchbomben wissen wollte, musste Physik- und Chemiebücher durchforsten, jetzt reichen ein paar Klicks im Internet. Und: Man ist nicht mehr von den Schreibern getrennt, jeder kann selber publizieren. Eine journalistische Ausbildung ist nicht notwendig, und kein Kollege oder Vorgesetzter redigiert die Texte. Das heißt einerseits: Augenzeugenberichte kommen ungefiltert ins Netz. Andererseits ist eine riesige, weltumspannende Gerüchteküche am Brodeln. "Wir haben keine Zeit, alles nachzuprüfen", heißt es bei Indymedia. Man vertraut darauf, dass andere User, die es besser wissen, fehlerhafte oder unwahre Meldungen korrigieren.

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Linux und Indymedia

Linux-Communiy 2001-12-03 10:19 Christian Stamitz

Indymedia, eine offene peer2peer Medienplattform im Internet, die im Ausland von Linksliberalen betrieben, in Deutschland aber sozusagen von der autonomen Szene okkupiert worden zu sein scheint, veröffentlich einen Artikel zu einer angeblichen aggressiven Lizenzpolitik von Microsoft.

Dabei werden verschiedenen Firmen gezielt Lizenzverletzung unterstellt.

Für uns könnte der Artikel deshalb interessant sein, weil einige Poster Linux als Alternative vorschlagen, aber nicht besonders viel Ahnung zu haben scheinen.

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Umstrittene Rolle des Zensurkübels

telepolis 5.2.2001 Nick Lüthi

"Aktion Kinder des Holocaust" geht mit juristischen Mitteln gegen antisemitische Beiträge auf der Newsplattform Indymedia vor

Am vergangenen Freitag hat Samuel Althof, Sprecher der Vereinigung Aktion Kinder des Holocaust verschiedene Schweizer Polizeibehörden auf mögliche Verstöße gegen das Anti-Rassismus-Gesetz durch die Verantwortlichen von Indymedia Schweiz aufmerksam gemacht. Als Grund für sein Vorgehen gibt Althof die Häufung von antisemitischen Beiträgen auf dem linken Infoportal und den fehlenden Willen der Indymedia-AktivistInnen an, diese zu entfernen.

"Es ist überhaupt nicht unser 'Lieblingsmittel', erst wenn es nicht mehr anders geht, greifen wir zu Strafanzeigen", rechtfertigt Samuel Althof, Sprecher der Aktion Kinder des Holocaust, sein Vorgehen. Althof hat in einem Schreiben die zuständigen Polizeibehörden und den Dienst für Analyse und Prävention DAP (vormals: Bundespolizei) darauf aufmerksam gemacht, dass die Moderatoren und Redakteure von Indymedia Schweiz nicht gewillt seien, antisemitische Text- und Bildbeiträge vollständig zu löschen. Anzeige muss in diesem Fall von Amtes wegen erstattet werden, da es sich beim vermuteten Verstoß gegen das Anti-Rassismus-Gesetz um ein Offizialdelikt handelt. Die Behörden sind nun verpflichtet, den Sachverhalt zu prüfen und, falls er als genügend erhärtet angesehen wird, eine Strafverfolgung einzuleiten. DAP-Sprecherin Danièle Bersier bestätigte gegenüber Telepolis den Eingang eines entsprechenden Hinweises. Man werde nun die notwendigen Abklärungen treffen und allenfalls auch noch die Bundeskriminalpolizei einschalten.

Die Verantwortlichen von Indymedia tolerieren durchaus nicht jede Äußerung, die auf ihrem Portal gemacht wird. Vollständig gelöscht werden die beanstandeten Beiträge allerdings nicht; sie wandern in den sogenannten Zensurkübel und sind dort weiterhin einsehbar. Genau daran stört sich der Sprecher der "Aktion Kinder des Holocaust". Althof geht sogar soweit, die Funktion des Zensurkübels ins Zentrum seiner Kritik zu rücken. Schließlich könne man "rassistische Beiträge mit der Absicht einer Veröffentlichung an Indymedia-Switzerland gesendet werden, denn sie können davon ausgehen, dass ihre Beiträge im 'Zensurkübel' neu publiziert werden".

Besonders ins Auge gestochen sind Althof zwei Cartoons eines mexikanischen Zeichners, der von sich behauptet, die "israelische Apartheid gegenüber den Palästinensern zu kritisieren", sich dabei aber in den Fallen anti-semitischer Stereotypen verstrickt. Die Dokumentation der beiden Beiträge auf der Website der "Aktion Kinder des Holocaust" wiederum waren für einen Indymedia-Aktivisten Anlass für eine geharnischte Reaktion. "Ihr werft uns vor, durch das nicht-total-Löschen von antisemitischen Beiträgen, antisemitisch zu sein und veröffentlicht ebendiese Beiträge noch einmal auf eurer Page. Das ist abstrus", schreibt der Indymedianer. Ob bereits eine Gegenanzeige vorliegt, war nicht zu erfahren. Auch sonst wollte von Indymedia niemand zu der drohenden Strafanzeige Stellung nehmen.

Althof ist kein unbekannter, wenn es um reale oder vermutete Straftatbestände im Internet geht. So hat er etwa im vergangenen Jahr erreicht, dass mehrere Schweizer Internetprovider den Zugang zu rassistischen Websites blockierten. Von der Swiss Internet User Group (SIUG) wurde diese Aktion scharf kritisiert, da auf diese Weise das Problem des Rechtsextremismus nur verdrängt werde.

Nach den straf- könnten auch noch urheberrechtliche Probleme auf Indymedia Schweiz zukommen. Und auch in diesem Fall spielt der verflixte Zensurkübel eine Rolle. Das Verlagshaus Tamedia hat wegen der integralen Veröffentlichung eines Artikels aus einem seiner Magazine auf Indymedia interveniert, worauf der Text in den Zensurkübel verschoben wurde. Auf Anfrage von Telepolis meinte ein Mitarbeiter des Rechtsdienstes von Tamedia erstaunt, dass dieses Vorgehen eigentlich nicht der Forderung nach Löschung des Artikels entspreche. Allerdings habe man keine Zeit, um jeder einzelnen Verletzung der Urheberrechte des Verlags nachzugehen.

Die Kabul-Connection

Al-Dschasira-Chef Al-Ali präsentiert sich in Berlin als nüchterner Geschäftmann

Tagesspiegel 9.2.2001 Heiko Dilk

Der Mann trägt kein weißes, wallendes Gewand, wie auf den meisten Fotos, die man von ihm gesehen hat. Wie ein Scheich sieht er auf den Fotos aus. Mohammed Jasim Al-Ali hat einen ganz normalen hellen Anzug an, Hemd und Krawatte. Und der Mann, der dem Sender vorsteht, der wie kein anderer in den vergangenen Monaten von sich reden machte, wirkt kein bisschen großspurig, eher nüchtern, fast ein wenig nervös. Wie ein Geschäftsmann eben, der noch nicht weiß, was ihn erwartet.

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Strafanzeige gegen Indymedia

taz 19.2.2002

BERLIN. Bereits seit einigen Monaten wird das Anti-Globalisierungs-Netzwerk Indymedia zu volksverhetzenden Zwecken missbraucht: Auf den verschiedenen Websites waren regelmäßig Postings mit antisemitischen Inhalten zu lesen. Jetzt hat die Schweizer Organisation "Aktion Kinder des Holocaust" (AKdH) eine Strafanzeige gegen Indymedia-Schweiz eingereicht - nachdem die Betreiber des Internetdienstes den mehrmaligen Aufforderungen, die Beiträge zu löschen, nicht nachgekommen sind.

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Indymedia under attack

Italien: Polizeiaktionen gegen Internet-Netzwerk von Globalisierungsgegnern

junge welt 22.2.2001 Peter Nowack

Die italienische Polizei hat am Mittwoch mehrere soziale Zentren in Florenz, Turin, Bologna und Taranto sowie den Sitz der linken Basisgewerkschaft Cobas gestürmt. Alle durchsuchten Objekte wurden von der Polizei und der für die Durchsuchungsaktion federführenden Genueser Staatsanwaltschaft als "Indymedia-Büros" bezeichnet. Ebenfalls von der Polizeiaktion betroffen war die unabhängige römische Radiostation Ondarossa, die jetzt akut von der Schließung bedroht ist.

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Indymedia Italien von Polizei gefilzt

taz 22.2.2001

ROM. Mit einem massiven, bürgerkriegsähnlich ausgerüsteten Aufgebot drangen am Mittwoch Einheiten der Polizei und der Carabinieri in drei "Centri Sociali" in Turin, Bologna und Florenz sowie in den Sitz der Basisgewerkschaft Cobas in Turin ein, um von Indymedia Italien gesammelte Video- und Fotodokumente zum G-8-Gipfel in Genua zu beschlagnahmen. Das Material könne zur Aufklärung der sowohl von Polizisten als auch von Demonstranten während der Gipfeltage begangenen Straftaten beitragen, argumentierte die Staatsanwaltschaft Genua im Durchsuchungsbeschluss.

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Razzia bei Indymedia

Frankfurter Rundschau 22.2.2001

Die Polizei hat in vier italienischen Städten Beweismaterial über die Gewaltexzesse beim G8-Gipfel von Genua beschlagnahmt. Die Beamten sind in Bologna, Florenz, Turin und Tarent in Soziale Zentren eingedrungen, wo jeweils auch das unabhängige Informations-Netzwerk "Indymedia" untergebracht ist. Sie haben auf Weisung der Staatsanwaltschaft Genua, die über den "Schwarzen Block" und die Straßenschlachten vom Juli 2001 ermittelt, Fotos, Videos, Festplatten und ganze Computer mitgenommen.

Die Gruppe "Indymedia", die in Genua Fotos und Videos aufgenommen und seither auch fremdes Material gesammelt hatte, hat gegen die "Provokation" protestiert: "Es war eine Aktion der Einschüchterung." Der italienische Journalistenverband hat seine Besorgnis ausgedrückt. Politiker der "Rifondazione Comunista" und der Grünen haben eine Parlamentsanfrage angekündigt. ens

Der Plünderer hat ein Gesicht

Objektivität oder "Denunziationsjournalismus"? Die Frage nach der Wahrheit der Bilder kommt auch bei der Berichterstattung über die Krawalle am 1. Mai wieder hoch, sowohl bei den Fotografen als auch bei den Redaktionen, die die Bilder abdrucken

TAZ 04.05.2002 Jenni Zylka

Auf dem Foto flüchtet ein junger Mann aus dem Plus-Markt am Kreuzberger Oranienplatz, in der Hand ein paar Flaschen Wein. Das Bild daneben zeigt einen anderen, der, ebenfalls komplett unvermummt und deutlich zu erkennen, in die Kamera grinst und seine Piccolo-Flasche Sekt, ein Bier und eine Flasche Saft schwingt.

Die Bild-Zeitung hat in ihren Ausgaben vom 2. und 3. Mai über die 1.-Mai-Krawalle berichtet. In gewohnter Manier, voller Pathos, voller tendenziöser, gefühliger Betroffenheitsrhetorik und voller kurzer Sätze ohne Prädikat.

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Kommentar: Die Opposition der Mehrheit

Wie Kriegsgegner und Antiimperialisten Deutschland stärken

IZ3W Anton Landgraf (Jungle World)

unschoen hingegen, und nicht online: http://www.iz3w.org/iz3w/index.htm

ich tippen den indymedia betreffenden satz mal ab: (kontext: der antisemitismus fasst ueberall fuss, insbesondere in der linken)

"in italien rufen die linksradikalen nachwuchskraefte von ya basta zu einem landesweiten boykott von israelischen produkten auf, die schweizer filiale des globalisierungskritischen medienprojektes indymedia musste nach einer anzeige wegen antisemitischer volksverhetzung ihre internet-seiten voruebergehend schliessen, oesterreichische antiimperialisten sympathisieren mit dem solidaritaetsbesuch von joerg haider in bagdad."

klingt, als ob die anzeige die schliessung von imc schweiz erzwungen haette, und nicht deren freie entscheidung dazu gefuehrt haette.

Quelle
IZ3W

Antiglobalisierungsbewegung und Antisemitismus

Naomi Klein fordert zum Kampf gegen den Antisemitismus durch stärkere Differenzierung zwischen jüdischen Positionen und der israelischen Regierung auf

Telepolis 11.05.2002 Dirk Eckert

Naomi Klein, Autorin des Antiglobalisierungsbuches No Logo, hat der Antiglobalisierungsbewegung vorgeworfen, zu wenig gegen Antisemitismus zu unternehmen und damit der "zunehmend brutalen Okkupationspolitik" von Ariel Sharon hilflos gegenüber zu stehen.

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Topic revision: r2 - 10 Mar 2005, SkeP
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